Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Enges Rennen: Landtagswahl wird spannend
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Enges Rennen: Landtagswahl wird spannend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 01.10.2017
Quelle: Archiv/Montage HAZ
Anzeige
Hannover

Die NDR-Umfrage sieht demnach sechs Parteien im niedersächsischen Landtag – sofern auch die Linke über die Fünf-Prozent-Hürde kommt. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hat dafür im Auftrag des NDR vom 26. und 27. September insgesamt 1004 zufällig ausgewählte wahlberechtigte Niedersachsen befragt.

Die CDU hat dabei gegenüber der letzten Umfrage von Anfang September zwei Prozentpunkte verloren und liegt nun bei 35 Prozent. Es ist der zweite Rückgang bei den Umfragezahlen in Folge. Unmittelbar nach dem Übertritt der grünen Landtagsabgeordneten Elke Twesten hatte sie noch bei 40 Prozent gelegen.

Anzeige

Die SPD legt hingegen weiter zu und kommt nun auf 34 Prozent. Die Grünen verlieren einen Prozentpunkt und kommen auf neun Prozent. Die FDP legt um zwei Prozentpunkte zu auf acht Prozent. Die Linke bleibt bei fünf Prozent. Die AfD verliert laut NDR-Umfrage einen Prozentpunkt auf sechs Prozent.

Demnach wären rein rechnerisch verschiedene Koalitionen möglich: Eine Große Koalition, eine Jamaika-Koalition sowie eine Ampel-Koalition. Die bisherige rot-grüne Regierung hätte keine Mehrheit mehr im niedersächsischen Landtag. Bei der Beurteilung möglicher Regierungskoalitionen liegt das amtierende rot-grüne Bündnis in der Beliebtheit vor einer CDU/FDP-Koalition, gefolgt von einem Jamaika-Bündnis. Die geringste Zustimmung gibt es für ein rot-rot-grünes Bündnis.

Bei der Frage nach dem Spitzenkandidaten bleibt CDU-Herausforderer Bernd Althusmann weiter deutlich hinter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zurück. Bei der Frage, wenn man den Ministerpräsidenten direkt wählen könnte, kommt Weil auf 48 Prozent. Althusmann liegt bei 25 Prozent. Beide haben dabei gegenüber der Umfrage von Anfang September um jeweils einen Prozentpunkt zugelegt.

Außerdem hat das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap nach den Attributen der beiden Kandidaten gefragten: Auch dabei gilt Weil gegenüber Althusmann als bürgernäher, sympatischer, kompetenter, glaubwürdiger und auch führungsstärker.

Große Unterschiede gibt es auch bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Landesregierung: Die Zustimmung bei der SPD ist am höchsten. Immerhin noch 58 Prozent der FDP-Anhänger beurteilen die Arbeit der rot-grünen als gut. Das ist mehr als bei Anhängern der Linken (54) und der CDU (52). Überhaupt nicht zufrieden sind die AfD-Anhänger: Nur acht Prozent sind mit der amtierenden Landesregierung zufrieden.

Differenziertere Eindrücke ermöglicht der Blick auf die Zufriedenheit mit der rot-grünen Landesregierung in den verschiedenen Politikfeldern: Am besten kommt die Regierung bei allen Befragten in den Politikbereichen Haushalts- und Finanzpolitik sowie in der Umweltpolitik davon. Sehr unzufrieden sind die Befragten mit der Aufklärung des Dieselskandals, die nur zur Zufriedenheit von 15 Prozent der Befragten abläuft. Kein gutes Urteil gibt es auch für den wichtigen Bereich der Schul- und Bildungspolitik: Damit sind nur 24 Prozent zufrieden.

Ministerpräsident Stephan Weil hofft angesichts der Umfragewerte auf einen Sieg seiner Partei bei den Landtagswahlen. „Wir sind hauchdünn hinter der CDU, und ich sage euch, wenn es so weiter geht, dann überholen wir die“, sagte Weil am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Harzburg. Von Wechselstimmung im Land sei nichts zu spüren.

Anja Piel, die Spitzenkandidatin der Grünen, liest eine „weiter wachsende Zustimmung zu Rot-Grün“ aus der Umfrage heraus und freut sich. CDU-Generalsekretär Ulf Thiele betont, es handele sich bei der Umfrage nur um eine Momentaufnahme, der Wahlausgang sei weiter offen. Thiele konzentriert sich darauf, vor einer möglicherweise drohenden rot-rot-grünen Koalition zu warnen.

FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner will dahin, wo (noch) die Grünen sind: Er möchte mit seiner Partei drittstärkste Kraft im Landtag werden. Die Umfrage zeige, „dass wir im Aufwind sind“. Und der amtierende Ministerpräsident hat gute Laune nach der Lektüre der Ergebnisse, denen er „mit gemischten Gefühlen entgegengesehen“ hatte: Er freue sich, dass die SPD „deutlich zugelegt“ habe, sagt Ministerpräsident Weil. „Es gibt keine Wechselstimmung.“
Die AfD äußerte zu ihrem Rückgang, es handele sich ja nur um eine Umfrage, man mache sich keine Sorgen. Die Linke erwartet, dass ihre Werte bis zum Wahltag am 15. Oktober noch steigen.

Von Stefan Bürgel und Bert Strebe