Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt NSU bereitete Morde offenbar akribisch vor
Nachrichten Politik Deutschland / Welt NSU bereitete Morde offenbar akribisch vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:03 15.10.2013
Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal in München. Offenbar plante die NSU die Morde an den Opfern kalt und akribisch. Quelle: dpa
Anzeige
München

Die Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) haben ihre Anschläge offensichtlich akribisch geplant. In der letzten Wohnung des mutmaßlichen Terror-Trios in Zwickau sei umfangreiches Kartenmaterial gefunden worden, berichtete ein BKA-Beamter am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Insbesondere seien ADAC- und Falk-Pläne sowie Routenplaner-Ausdrucke zu den Städten Nürnberg, München, Dortmund und Kassel gefunden worden. Überall dort gab es Mordanschläge der Gruppe.

Die Ermittler fanden auch Ausspähnotizen. Diese hätten nur „nach einer Anwesenheit vor Ort verfasst worden sein können“, sagte der Beamte. Für verschiedene Imbiss-Läden in Dortmund habe es Bemerkungen gegeben wie „gutes Objekt und geeigneter Inhaber“.

Anzeige

Einmal habe die Anmerkung gestanden „Personal ist nicht optimal, vorher noch mal prüfen“, ein anderes Mal „Person gut, aber alt - über 60“. Es wird vermutet, dass die Terroristen im Sinne ihrer rassistischen Ideologie gezielt Opfer suchten, die noch im zeugungsfähigen Alter waren.

Darüber hinaus fanden die Ermittler Listen mit insgesamt 267 Institutionen und Einrichtungen in den vier Städten - Büros von Parteien, muslimische Einrichtungen, Beratungsstellen für Asylbewerber.

Wahrscheinlich stammten die Notizen von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sagte der Beamte. Die beiden sollen laut Anklage die Attentate unmittelbar ausgeführt haben. Beate Zschäpe ist als Mittäterin der Anschläge angeklagt, sie soll für die legale Fassade der Gruppe gesorgt haben.

Nebenklagevertreter äußerten am Dienstag erneut die Vermutung, dass die Terroristen auch Helfer vor Ort hatten, die möglicherweise bei der Ausspähung halfen. Yavuz Narin, der Angehörige des Münchner NSU-Opfers Theodoros Boulgarides vertritt, kritisierte, dass die Ermittler Bezüge zur rechten Szene nicht beachtet hätten. In Nähe des Tatorts waren wenige Tage nach dem Mord im Jahr 2005 zwei Männer aufgefallen, die unter anderem Kontakt zu dem verurteilten Neonazi Martin Wiese hatten. Ein direkter Kontakt zu den Terroristen des NSU wurde allerdings auch in den späteren Ermittlungen nicht gefunden.

dpa

Mehr zum Thema
NSU-Prozess Opfer-Mutter fleht Zschäpe um Aufklärung an - „Sie sind auch eine Dame“

Der NSU-Prozess spielt auf zwei Ebenen: Die juristische Ebene beherrscht der Vorsitzende Richter tadellos. Wenn es aber um den Schmerz und die Trauer der Angehörigen geht, wirkt er oft unsicher.

02.10.2013
NSU-Prozess 41. Verhandlungstag im NSU-Prozess - Ein emotionaler Zeugenauftritt

„Er hat keine Antwort gegeben.“ Sehr emotional schildert Halit Yozgats Vater vor dem NSU-Prozess, wie er seinen Sohn fand, als dieser von den NSU-Terroristen in seinem Internet-Café erschossen worden war.

01.10.2013

Die Frau könnte eine wichtige Zeugin sein: Eine Dortmunderin will die als Neonazi-Terroristin angeklagte Beate Zschäpe vor einem Mordschlag in Dortmund gesehen haben. Mit ihren mutmaßlichen NSU-Komplizen. Und einem unbekannten Skinhead.

19.09.2013
Deutschland / Welt Sondierungsgespräche mit Grünen - „Das ist keine Taktierei“
15.10.2013
Deutschland / Welt Flüchtlingsströme nach Italien reißen nicht ab - Über 400 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet
15.10.2013