Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Kanada kündigt härtere Anti-Terror-Gesetze an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Kanada kündigt härtere Anti-Terror-Gesetze an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:12 23.10.2014
Einen Tag nach dem Attentat steht Kanada noch immer unter Schock. Quelle: Cole Burston
Anzeige
Ottawa

Nach dem Attentat mit zwei Toten in Ottawa hat der kanadische Premier Stephen Harper schärfere Anti-Terror-Gesetze angekündigt. In einer Rede zur Wiedereröffnung des Parlaments betonte er am Donnerstag zugleich, Kanada lasse sich nicht von Gewalt und Terror einschüchtern. „Wir werden wachsam sein, aber wir werden nicht verängstigt umherlaufen“, sagte er unter Beifall der Abgeordneten. Allerdings blieb einen Tag nach dem Attentat im Regierungsviertel die Frage nach islamistischen Hintergründen weiter offen.

Die Polizei bestätigte zwar, dass ein Einzeltäter das Attentat auf das Parlament und auf ein Kriegsdenkmal begangen hatte. Sie gab aber keine Details über den ums Leben gekommenen Täter bekannt. Harper sagte lediglich, es handele sich um einen kanadischen Staatsbürger.

Anzeige
In der kanadischen Hauptstadt Ottawa ist ein Soldat nahe des Kriegerdenkmals niedergeschossen worden.

Nach Medienberichten handelt es sich um den geistig verwirrten 32-jährigen Michael Zehaf-Bibeau, der erst kürzlich zum Islam konvertiert sei. Er sei in Kanada geboren und aufgewachsen, habe aber auch einige Zeit in Libyen verbracht. „Ich denke, er war geisteskrank“, zitierte die kanadische Zeitung „The Globe and Mail“ einen Bekannten des Täters.

Die Behörden hätten den Mann bereits zuvor als „Reisenden mit hohem Sicherheitsrisiko“ („high-risk-traveller“) eingestuft, berichtete die Zeitung weiter. In anderen Medienberichten hieß es, er stehe auf einer Liste von 90 Personen, die wegen einer möglichen Terrorgefahr beobachtet werden. Der TV-Sender CNN berichtete unter Berufung auf nicht genauer beschriebene Quellen, der mutmaßliche Attentäter sei kürzlich zum Islam übergetreten.

„Die Kanadier werden sich nicht einschüchtern lassen“, sagte Harper vor dem Parlament. Er habe bereits seit längerem für schärfere Anti-Terror-Gesetze plädiert. Entsprechende Gesetzesentwürfe seien „bereits auf dem Weg und werden beschleunigt“. Ihm sei aber auch klar: „Wir leben in einer gefährlichen Welt.“

Der 32-jährige Attentäter hatte am Mittwoch zunächst am Kriegsdenkmal in Ottawa einen Soldaten erschossen. Kurz darauf stürmte er mit einem Gewehr in das nahe gelegene Parlamentsgebäude und schoss wild um sich, bevor ein Wachmann ihn durch Schüsse tötete.

Der 58-jährige Kevin Vickers, der die tödlichen Schüsse auf den Angreifer abgab, wurde in Kanada wie ein Held gefeiert. Vickers arbeitet als eine Art Waffen- und Zeremonienmeister im Parlament. Harper dankte ihm ausdrücklich für sein entschlossenes Handeln.

Kevin Vickers wird in Kanada seit dem Attentat wie ein Held gefeiert. Quelle: dpa

Das Fernsehen zeigte dramatische Szenen von flüchtenden Menschen und angsterfüllten Parlamentariern und Angestellten. Harper, der sich im Parlament befand, wurde sofort in Sicherheit gebracht. Drei Verletzte wurden im Krankenhaus behandelt, konnten dieses aber nach Angaben der Klinik kurz darauf wieder verlassen.

Es war schon der zweite Anschlag in Kanada in dieser Woche. Am Montag hatte ein mutmaßlicher Islamist zwei Soldaten mit einem Auto überfahren. Ein Soldat starb, der Täter wurde nach einer Verfolgungsjagd von der Polizei erschossen.

dpa

Mehr zum Thema

Ein Soldat ist tot, auch der Attentäter starb. Doch die Hintergründe des Anschlags im Regierungsviertel in Ottawa liegen im Dunklen. War ein "einsamer Wolf" am Werk, zogen Islamisten die Fäden?

23.10.2014

Bewaffneter Angriff auf das kanadische Parlament: Ein oder mehrere Angreifer haben am Mittwochmorgen das Parlamentsgebäude in Ottawa überfallen und zahlreiche Schüsse abgefeuert. Ein Wachsoldat wurde bei dem Angriff getötet.

22.10.2014

Das Auto als Waffe: Ein junger Mann überfährt auf einem Parkplatz in Kanada zwei Soldaten. Nach einer Verfolgungsjagd kommt der mutmaßliche Islamist ums Leben. War es ein Terroranschlag?

21.10.2014