Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Nach Schüler-Protest: GEW fordert Überprüfung des Mathe-Abiturs
Nachrichten Politik Deutschland / Welt

Nach Schüler-Protest: GEW fordert Überprüfung des Mathe-Abiturs

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:12 07.05.2019
Verrechnet? Oder das Falsche gelernt? Es gibt in mehreren Bundesländern Streit über die diesjährigen Abituraufgaben. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Berlin

Die Lehrergewerkschaft GEW fordert eine Überprüfung des Mathe-Abiturs in den Ländern, in denen sich eine große Zahl von Schülern von den Aufgaben überfordert gefühlt hat – und gegebenenfalls eine Heraufsetzung der Noten. „In den Bundesländern, in denen es zahlreiche Beschwerden über ein zu schweres Mathe-Abitur gibt, muss das Kultusministerium sich mit den Schülern zusammensetzen“, sagte Ilka Hoffmann, die im Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für das Thema Schule zuständig ist, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Der Unmut von Schülern über die Abiturprüfungen in Mathe in diesem Jahr ist groß – und das gleich in mehreren Bundesländern. In Bayern fand eine Online-Petition mehrere Zehntausend Unterstützer, die fordern, die Bewertung des Mathe-Abiturs in Bayern wegen der komplexen Aufgaben großzügiger ausfallen zu lassen. Auch in Niedersachsen gibt es eine Online-Petition über zu schwere Mathe-Aufgaben im Abitur – mit mehr als 10.000 Unterstützern. Beschwerden gab es unter anderem auch in Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Berlin und Bremen.

Wird die Note zur Glückssache?

Die Kommentare unter den Petitionen fallen eindeutig aus. „Die Schwankungen der Schwierigkeit im Abitur sind nicht gerechtfertigt, es sollte keine Glückssache sein, welche Note man bekommt, abhängig von dem Jahr, in dem man schreibt“, hat eine der Unterzeichnerinnen geschrieben. Jemand aus Bayern beklagte sich: „Während andere Bundesländer ein um einiges simpleres Mathe-Abitur bekommen, müssen Schüler in Bayern immer das Doppelte und Dreifache leisten.“

Die Bundesländer können für das Mathe-Abitur auf einen gemeinsamen Aufgabenpool zurückgreifen, müssen dies aber nicht tun. Sollten sie Aufgaben aus dem Pool nehmen, können sie diese auch verändern. Bislang ist laut Kultusministerkonferenz unklar, ob und inwieweit der gemeinsame Aufgabenpool eine Rolle bei den Schwierigkeiten spielt.

GEW-Vorstandsmitglied Hoffmann sagte, es gehe in den unterschiedlichen Ländern jetzt darum, zu analysieren, woran die Schwierigkeiten der Schüler gelegen hätten. „Lag es an der Konstruktion der Aufgaben, waren vielleicht bestimmte Aufgaben nicht mehr lösbar, wenn man an den vorherigen gescheitert ist?“ Hoffmann sagte: „Falls es Fehler bei der Aufgabenstellung gab, muss das Ziel sein, für die Zukunft zu lernen.“

Sie betonte: „Im Fall zahlreicher Beschwerden muss sich eine Fachkommission noch einmal mit den Aufgaben befassen. Kommt diese zu dem Ergebnis, dass sie zu schwer waren, gibt es nur eine faire Lösung: Die Bewertung muss großzügiger ausfallen.“

Was hat sich an den Prüfungen geändert?

Es sei nicht ganz leicht, den Schwierigkeitsgrad von Abituraufgaben zu justieren, sagte Reinhard Oldenburg, Professor für die Didaktik der Mathematik an der Universität Augsburg, dem RND. „Eigentlich müsste man sie ja vorher an Abiturienten ausprobieren – aber das geht nun einmal nicht“, setzte er hinzu.

In Augenschein nehme konnte Oldenburg in diesem Jahr bereits die Aufgaben aus Bayern. Sie seien anspruchsvoll, aber ließen sich bewältigen, sagte er. Der Professor urteilt: „Das Mathe-Abitur ist nicht schwerer als früher, aber anders.“ Oldenburg verbindet diese Erkenntnis mit der Forderung: „Darauf muss der Unterricht vorbereiten.“

Was meint der Professor damit? „Das Abitur ist heute stärker kompetenzorientiert als früher. Das ist auch sinnvoll, da es ja nicht im Wesentlichen darum gehen sollte, einfach nur Rechenverfahren zu erlernen, die heute jedes Handy besser beherrscht als der Mensch“, sagte Oldenburg. Er ergänzte: „Eine kompetenzorientierte Mathe-Abiturprüfung bedeutet: Es geht heute stärker als früher darum, konkrete Problemstellungen zu lösen. Bei Textaufgaben ist der Umfang des zu verstehenden Textes umfangreicher und komplexer geworden.“ Es gehe noch stärker als früher darum, „einmal Erlerntes auf etwas Unbekanntes anzuwenden“.

Lesen Sie auch eine umfangreiche Recherche: Ist das Abitur noch etwas wert?

Von Tobias Peter/RND

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Wahlkommission in der Türkei hat es entschieden: Die Wahl in Istanbul wird annulliert. Der bereits ins Amt eingeführte Bürgermeister wird wieder abberufen. Doch die Opposition will nicht aufgeben.

07.05.2019

Ist sozialer Aufstieg in Deutschland noch möglich? 75 Minuten lang lieferte sich die Runde am Montagabend bei „Hart, aber fair“ einen hitzigen Schlagabtausch. Einer war zwar nicht im Studio, irgendwie aber doch: Juso-Chef Kevin Kühnert.

07.05.2019

Die Linke im Bundestag fordert, dem „Treuhand-Trauma“ erneut nachzugehen und will dazu auch den ehemaligen Bundesfinanzminister einladen. Der sagt: „Angst habe ich keine.“

07.05.2019