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Deutschland / Welt Nato zieht Berater aus Kabul ab
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Nato zieht Berater aus Kabul ab
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21:16 26.02.2012
Die Nato zieht wegen der Unruhen ihre Berater aus Kabul ab. Quelle: dpa
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Kabul/Berlin/Washington

Am Wochenende wurden zwei hochrangige amerikanische Offiziere im Innenministerium in Kabul kaltblütig erschossen. Wie die „Washington Post“ am Sonntag berichtete, sollen der Oberstleutnant und der Major direkt an ihren Schreibtischen im Hochsicherheitsbereich des Ministeriums getötet worden sein.

Die Nato zog daraufhin alle ihre ausländischen Berater aus afghanischen Regierungsstellen ab. Auch die Bundesregierung in Berlin wies ihre rund 50 Mitarbeiter im Raum Kabul an, vorerst nicht mehr in den Behörden tätig zu werden. Es handele sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme, teilte Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Sonntag mit.

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Afghanistans Präsident Hamid Karsai rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. In einer Pressekonferenz am Sonntag sagte er, man dürfe den „Feinden des Friedens“ nicht erlauben, die Proteste zu missbrauchen.

Gestern starben ein US-Soldat und ein afghanischer Demonstrant, als eine aufgebrachte Menge nördlich von ­Kundus ein Lager der internationalen Schutztruppe Isaf stürmen wollte. Dabei sollen Demonstranten auch Handgranaten in das Lager geworfen haben. Weitere sechs US-Soldaten und 15 afghanische Polizisten wurden verletzt. In der Stadt Kundus wurden am Sonnabend mindestens fünf Menschen getötet und 66 Menschen verletzt. Bundeswehrangehörige kamen bisher nicht zu Schaden.

Nach den jüngsten Attentaten ist im Verteidigungsministerium in Washington eine gewisse Ratlosigkeit zu spüren. George Little, Sprecher von Verteidigungsminister Leon Panetta, tat sich am Sonnabend außergewöhnlich schwer, als er vor die Presse trat: Die Übergriffe seien „inakzeptabel“. Nach einer „schwierigen Woche“ müsse die afghanische ­Regierung die internationalen Truppen besser schützen.

Mit höchster Priorität wird der Konflikt offenbar auch im Weißen Haus behandelt: US-Präsident Barack Obama telefonierte mit Isaf-Kommandeur John Allen und versicherte in einer Erklärung, dass die USA weiterhin mit der afghanischen Regierung das Ziel verfolgen, die Terrororganisation Al Qaida zu zerschlagen. Für die versehentliche Bücherverbrennung hatte sich der Präsident bereits in der vergangenen Woche offiziell entschuldigt. Doch so recht weiß man offenbar auch in der Regierungszentrale nicht, wie sich der Protest der Afghanen wieder besänftigen lässt. Am Donnerstag werden Afghanistans Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak und Innenminister Bismullah Chan Mohammadi zu einem Krisengespräch im Pentagon erwartet.

Von Martin Fischer und Stefan Koch