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Deutschland / Welt Neue Auffälligkeiten bei Organspende
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13:59 26.08.2012
Neun von zehn Spenderherzen werden inzwischen an Patienten mit dem intransparenter geregelten Hochdringlichkeitsstatus vergeben. Quelle: dpa
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Berlin

Vor dem Spitzentreffen zu Konsequenzen aus dem Organspendeskandal drängen Bund und Länder auf schärfere Kontrollen - viele Fragen sind aber noch offen. Wie Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) halten auch Länder stärkere Prüfungen bei der Organvergabe und mehr Transparenz für dringend notwendig. Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) forderte, die Zahl der Kliniken mit Transplantationen drastisch zu senken. „Mit der Hälfte kämen wir gut zurecht“, sagte sie. An diesem Montag berät Bahr mit Ländervertretern und Organisationen des Gesundheitswesens in Berlin.

Unterdessen gibt es bei der Verteilung von Spenderorganen nach einem Zeitungsbericht neue Auffälligkeiten: Neun von zehn Spenderherzen würden inzwischen an Patienten mit dem intransparenter geregelten Hochdringlichkeitsstatus vergeben, berichtete die „Frankfurter Rundschau“.

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Bahr sagte der „Rheinischen Post“: „Wir brauchen ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Vergabe von Spender-Organen, damit noch eine unabhängige Person, die nicht Teil der Abläufe der Transplantation ist, alles prüft.“ Diese Person solle unmittelbar der Klinikleitung unterstellt sein, damit auch diese direkt Verantwortung trage. Bahr forderte zudem mehr Personal in den Prüfkommissionen.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Andreas Storm (CDU), brachte mehr Kompetenzen für die Länder bei der Kontrolle der Transplantationszentren ins Spiel. „Man muss jetzt ernsthaft prüfen, ob wir nicht das Gesetz dahingehend ändern müssen, dass die Länder eine Kontrollfunktion erhalten“, sagte der saarländische Ressortchef der „Welt“ (Montag). Überlegenswert sei auch, die Vergütung der Ärzte von der Zahl der Transplantationen zu trennen. Die Hamburger Senatorin Prüfer-Storcks sprach sich für regelmäßige Kontrollen auch ohne konkreten Anlass aus und sagte zudem: „Wir müssen überlegen, ob der staatliche Einfluss auf Kriterien der Organvergabe nicht verstärkt werden muss.“

Bei dem Spitzentreffen bei Bahr geht es an diesem Montag um Konsequenzen aus dem Organspendeskandal an den Universitätskliniken Regensburg und Göttingen. Ein Oberarzt steht im Verdacht, dort Akten manipuliert und so Patienten schneller zu einer neuen Leber verholfen zu haben - obwohl andere sie vielleicht nötiger gehabt hätten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Der Anwalt des Hauptbeschuldigten weist alle Vorwürfe zurück.

Der Hochdringlichkeitsstatus, auf Basis dessen inzwischen angeblich fast alle Herztransplantationen vorgenommen werden, gilt für Patienten in akuter Lebensgefahr. Die Kriterien seien jedoch nicht einheitlich, die Einstufung liege weitgehend im Ermessen des Arztes, schreibt die „Frankfurter Rundschau“. Die Vergabe nach diesem Status sei nach Zahlen der europäischen Organvermittlungsstelle Eurotransplant binnen zehn Jahren von 43,5 auf 88,5 Prozent (2011) gestiegen. Krankenkassen und Bundesärztekammer hätten bereits 2009 die Manipulationsanfälligkeit dieses Verfahrens beklagt.

Die Bundesärztekammer erklärte die Entwicklung mit der abnehmenden Zahl von Spenderorganen. Die Prüfungskommission von Kassen, Ärzteschaft und Kliniken habe zudem bei Kontrollen in Herz-Transplantationszentren 2009/10 nur zwei und 2010/11 keine Unregelmäßigkeiten bei gemeldeten Patientendaten festgestellt, hieß es gegenüber der Zeitung. 

dpa

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