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Deutschland / Welt Neues Blutbad in Syrien
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08:01 21.12.2011
Die Proteste in Syrien nehmen nicht ab.
Die Proteste in Syrien nehmen nicht ab. Quelle: dpa
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Damaskus

Kurz vor dem Eintreffen der ersten arabischen Beobachter in Syrien haben die Truppen von Präsident Baschar al-Assad erneut ein Blutbad unter Regimegegnern angerichtet.

Präsident Assad, der am Montag nach langem Zögern der Beobachtermission zugestimmt hatte, beschloss am Dienstag drakonische Strafen für Waffenschmuggler bis hin zur Hinrichtung. In einem Dekret des Präsidenten heißt es, wer Waffen ins Land bringe, mit Waffen handele oder diese terroristischen Vereinigungen zur Verfügung stelle, werde ab sofort mit Haftstrafen zwischen 15 Jahren und „lebenslänglich“ bestraft. Bei Waffenlieferungen im großen Stil drohe die Todesstrafe.

Die Streitkräfte hätten Artilleriegeschütze gegen die Deserteure eingesetzt, die sich in den Ortschaften Dschabal al-Sawija und Chan Scheichun verschanzt hätten. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, in Idlib seien bei Gefechten zwischen der Armee und „terroristischen Gruppen“ mehrere Menschen getötet worden. In den Reihen der Armee habe es keine Opfer gegeben. Ein verletzter Zivilist, der am Sonntag von Dschabal al-Sawija aus in die Türkei geflüchtet war, sagte am Telefon, die Lage in seiner Heimatstadt sei fürchterlich. Zahlreiche Häuser seien von der Armee zerstört worden.

Am Montag seien zudem 42 Zivilisten getötet worden, meldeten die Aktivisten. Am Dienstag gab es nach ihren Informationen 14 weitere zivile Opfer, darunter eine Frau, die bei ihrer Flucht aus der Ortschaft Al-Kusair in der Provinz Homs getötet worden sein soll. Eines ihrer zwei Kinder sei bei dem Angriff verletzt worden, hieß es. Aktivisten berichteten zudem von willkürlichen Festnahmen in mehreren Universitäten sowie im Al-Midan-Viertel in Damaskus.

Wegen der Medienblockade sind Berichte aus Syrien meist nicht zu überprüfen. Die Arabische Liga will nach Angaben von Diplomaten am Donnerstag eine erste Delegation nach Damaskus schicken. Dieses soll die Entsendung von Beobachtern vorbereiten, die dann einige Tage später folgen. Bei der Liga in Kairo hieß es, die Anwesenheit der Beobachter werde den Schutz der Zivilbevölkerung garantieren. Sie sollen rund 100 Krisenherde besuchen. Ihr Einsatz ist zunächst auf einen Monat befristet.

Anne-Beatrice Clasmann