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Deutschland / Welt Neu entdecktes Dokument zur Geschichte des Reichstagsbrands – „Es wirken starke Interessen“
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Neues Dokument zum Reichstagsbrand - Interview mit Benjamin Carter Hett

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22:45 25.07.2019
Der US-Historiker Benjamin Carter Hett ist spezialisiert auf Nazi-Zeit und Reichstagsbrand. Quelle: privat
Hannover

Der amerikanische Historiker Benjamin Carter Hett ist Experte für die Zeit des Nationalsozialismus und den Brand des Berliner Reichstags. HAZ-Autor Conrad von Meding hat mit ihm über das überraschend in Hannover entdeckte Dokument gesprochen. Ein früherer SA-Mann behauptet in dieser Eidesstattlichen Versicherung, an den Geschehnissen am 27. Februar 1933 beteiligt gewesen zu sein.

Prof. Hett, Sie haben 2016 das aktuellste Buch zum Reichstagsbrand veröffentlicht. Warum ist das Thema auch nach mehr als 80 Jahren noch wichtig für Historiker?

Das Feuer im Reichstag steht sinnbildlich für eine entscheidende Wende in der deutschen Geschichte, weil es unmittelbar zur diktatorischen Macht der Nationalsozialisten geführt hat. Zugleich ist dieses Ereignis mitsamt seiner Aufarbeitung ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Interpretation von Zeitgeschichte immer politisch gefärbt ist, weil dahinter starke Interessen wirken.

Welche Interessen?

Sehr unterschiedliche. Die Männer, die 1933 mit den polizeilichen Ermittlungen wegen der Brandstiftung beauftragt waren, hatten nach dem Krieg ein großes Interesse, sich reinzuwaschen vom Verdacht, sie hätten Nazis gedeckt. Mehrere von ihnen sind später in wichtige Ämter aufgestiegen. Da kam ihnen die These von der Alleintäterschaft des verurteilten Brandstifters van der Lubbe sehr gelegen. So wurde sie seit den Sechzigerjahren die vorherrschende These unter Historikern in Deutschland. Dabei spielt vor allem das Magazin „Der Spiegel“ eine unrühmliche Rolle. Es hat mit seiner elfteiligen Serie zum Reichstagsbrand 1959/1960 den Grundstein für die Alleintäterinterpretation gelegt. Heute wissen wir, dass der damalige „Spiegel“-Autor Fritz Tobias als Mitglied des Verfassungsschutzes Dokumente manipuliert, Quellen unterdrückt und Historiker erpresst hat. Dass der „Spiegel“ sich davon bis jetzt nicht distanziert, ist ein trauriges Kapitel.

In dem jetzt aufgetauchten Dokument behauptet ein ehemaliger SA-Mann, er habe Marinus van der Lubbe in den Reichstag gebracht, als darin bereits Rauchschwaden zu sehen waren. Was bedeutet solch ein Dokument für die Forschung?

Es gab nach dem Reichstagsbrand vor allem vonseiten der Kommunisten viele Berichte, die den Nazis eine Täterschaft oder Mittäterschaft anhängen wollten – aber sie haben sich bisher alle als Fälschungen herausgestellt. Das Dokument, das Ihnen vorliegt, scheint das erste, in dem tatsächlich ein Mittäter selbst davon berichtet, dass er auf Befehl der Nazis bei der Vorbereitung beteiligt war. Natürlich muss man jetzt sehr genau prüfen, wie plausibel die Geschichte ist. Zum Beispiel anhand von Dokumentationen, wo der SA-Mann damals und später eingesetzt war. Spannend ist: Der Rechtsanwalt Arthur Brandt, der für den Bruder des verurteilten Reichstagsbrandstifters van der Lubbe nach dem Krieg die Wiederaufnahme des Prozesses versuchen sollte, hat berichtet, er sei von einem ehemaligen SA-Mann kontaktiert worden, der auspacken wollte. Das schreibe ich in meinem Buch. Ich habe vergeblich nach Belegen dafür gesucht. Solch ein Dokument wie diese Erklärung hätte ich gerne für mein Buch vorliegen gehabt.

Interview: Conrad von Meding

Von Conrad von Meding

Marinus van der Lubbe wurde verurteilt. Aber Historiker streiten bis heute, wer 1933 wirklich hinter dem Reichstagsbrand steckte. Jetzt ist in Hannover ein einzigartiges Dokument aufgetaucht: Es schürt den Verdacht, dass die SA ihre Finger im Spiel hatte.

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