Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Niedersachsen stellt sich quer: Berlin soll Castor stoppen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Niedersachsen stellt sich quer: Berlin soll Castor stoppen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:19 07.12.2010
„Im Wendland soll Ruhe einkehren.“ Quelle: dpa
Anzeige

Zur Begründung verweist die Landesregierung auf die „außerordentlichen Belastungen“ durch den letzten Transport.

Atomkraftgegner im Wendland hatten den zwölften Castor aus der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague Anfang November so lange aufgehalten wie noch nie. 20.000 Polizisten waren im Einsatz. Im kommenden Jahr wird der letzte Transport aus Frankreich erwartet. Von 2014 an soll weiterer Atommüll aus dem englischen Sellafield kommen. Die Bundesrepublik ist völkerrechtlich verpflichtet, den aus Deutschland stammenden Atommüll zurückzunehmen.

Anzeige

Ministerpräsident David McAllister will offenbar direkt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (alle CDU) Kontakt aufnehmen. Er wolle für „eine zeitnahe Prüfung“ werben, ob „Alternativlösungen in Gestalt anderweitiger Zwischenlagerungen der zu erwartenden Castoren geschaffen werden können“, wie es gestern in einer Mitteilung der Staatskanzlei formuliert wurde.

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander schlägt vor, die Transporte in das Zwischenlager in Ahaus in Nordrhein-Westfalen oder in die Zwischenlager an den Standorten der deutschen Atomkraftwerke umzuleiten. „Im Wendland sollte Ruhe einkehren für die Zeit der ergebnisoffenen Erkundung in Gorleben“, sagte Sander dieser Zeitung. „Es soll durch weitere Transporte ins Wendland auch nicht der Eindruck entstehen, dass dort Fakten geschaffen werden.“ Genau das aber werfen Atomkraftgegner der Landesregierung vor: Sander setze alles daran, dass Gorleben in Ruhe und ohne jährliche Großdemonstrationen weiter als Endlager ausgebaut werden könne, sagte ein Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

In der CDU-Fraktion im Bundestag stößt die Initiative aus Hannover dagegen auf Verständnis: „Ich halte den Vorstoß für sinnvoll. Wenn die Castoren auf andere Zwischenlager verteilt werden, ist das auch ein Signal, dass es in Gorleben tatsächlich eine ergebnisoffene Erkundung gibt“, sagt Maria Flachsbarth, die im Umweltausschuss Berichterstatterin der Union für die Endlagerung ist. Michael Grosse-Brömer, Chef der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, hebt hervor: „Es wäre ein gutes Signal, wenn sich die Bundesländer ähnlich wie der Bund freiwillig an einigen Kosten der Castor-Transporte beteiligen würden.“

Karl Doeleke und Stefan Koch

Mehr zum Thema

Die ersten Castor-Behälter mit hoch radioaktivem Atommüll stehen in Frankreich zur Abfahrt ins Zwischenlager Gorleben bereit. In Niedersachsen rüstet sich derweil die Polizei für ihren Großeinsatz im Wendland.

09.11.2010

Das Wendland rüstet sich für ein Protest-Wochenende: Der Castor-Zug mit Atommüll hat Deutschland erreicht. In Gorleben laufen sich Protestierer für die erwartete Rekorddemo warm. Und fernab vom Rummel weist die Kanzlerin die Atomkraftgegner in ihre Schranken.

09.11.2010

Das Wendland hat eine eigene Lebenskultur entwickelt - zu verdanken haben die Protestler das ihrem ärgsten Gegner: Der Atomindustrie.

Dirk Schmaler 24.09.2010