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Deutschland / Welt Niemand will die strahlende Fracht
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22:18 08.09.2009
Von Karl Doeleke
Das Atomkraftwerk Grohnde. Quelle: ddp
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Cuxhaven, Nordenham, Bremen und Bremerhaven als mögliche Häfen nicht – und auch nicht das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sowie das niedersächsische Innenministerium als potenzielle Genehmigungsbehörden. Am Ende eint alle ein Ziel: wegducken.

Den Anfang machte Cuxhaven. Nach den ursprünglichen Plänen sollten die Mox-Brennelemente in Niedersachsens nördlichstem Hafen angelandet werden. Als das ruchbar wurde, weigerte sich Cuxport plötzlich, den Atombrennstoff anzunehmen. Seitdem streiten Innenministerium und Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) darüber, wer einen der Häfen zwingen könnte, die ungeliebte Fracht anzunehmen. Das BfS sagt: Minister Uwe Schünemann (CDU). Der reicht die Verantwortung an BfS-Präsident Wolfram König zurück. Beide tauschen seit Tagen atomrechtliche Argumente in persönlichen Briefen aus, die aber auch in der Öffentlichkeit landen. Gänzlich ungeklärt bleibt dabei, ob Cuxhaven die Brennstäbe überhaupt ablehnen darf.

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Als wäre die Lage nicht unübersichtlich genug, mischt seit Dienstag auch Bremen in der Auseinandersetzung mit. Das wiederum ärgert alle Streithähne zugleich. CDU-Minister Schünemann ist sauer, weil die rot-grüne Senatskanzlei in Bremen sich stillschweigend an die Seite Königs stellt, der ein Grüner ist. Der von e.on beauftragte Importeur Nuclear Cargo und Service (NCS) aus Hanau ist entsetzt, weil die Bremer mögliche Alternativen zu Cuxhaven und damit die Ausweichrouten ausplaudern: Man lehne den Atomtransport „über bremische Häfen und das Stadtgebiet von Bremen oder Bremerhaven“ entschieden ab, hieß es in einer am Dienstag verbreiteten Pressemitteilung. Seitdem weiß man, welche Alternativhäfen NCS in seinem geheimen Antrag an das BfS genannt hat: Bremen und Bremerhaven sowie Nordenham, was die Senatspressestelle nebenbei ebenfalls mitteilte.

Einer dieser vier Häfen wird am Ende den Schwarzen Peter ziehen. Zuvor müssen sich das BfS und Schünemann aber einig werden, wer das festlegt. Das kann unter normalen Umständen nicht so schwer sein: Mehr als 50 Transporte von Mox-Brennelementen hat es in den vergangenen fünf Jahren gegeben, völlig geräuschlos. Im Moment sei Wahlkampf, heißt es resignierend bei e.on. Wenn der vorbei ist, dürften die Karten aber neu gemischt werden. NCS hat Cuxhaven inzwischen zwar aufgegeben. Das niedersächsische Innenministerium, das mindestens den Polizeischutz entlang der Route organisieren muss, hält Cuxhaven aber für die sicherste Variante.