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Deutschland / Welt Nikolaikirchen-Pfarrer Führer ist gestorben
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15:54 30.06.2014
Ist an den Folgen einer schweren Krankheit gestorben: Christian Führer, ehemaliger Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig. Quelle: dpa
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Leipzig

Er starb am Montag im Alter von 71 Jahren an den Folgen einer schweren Krankheit, wie ein Sprecher der Stadt Leipzig sagte. Führer hatte 1982 die Friedensgebete in der Leipziger Nikolaikirche begründet, die später in die Montagsdemonstrationen mündeten und die friedliche Revolution in der DDR einleiteten. Führer, der 2008 als Pfarrer in den Ruhestand gegangen war, war aufgrund seiner Erkrankung zuletzt nur noch wenig in der Öffentlichkeit aufgetreten.

Erst vergangene Woche war Führer für seine Verdienste um die Leipziger Montagsdemonstrationen mit dem Deutschen Nationalpreis geehrt worden. Die Auszeichnung nahm seine Tochter für ihn entgegen. Am Montagmorgen war er nach Medienberichten ins Universitätsklinikum Leipzig eingeliefert worden. Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) würdigte Führer als Menschen, "der im festen Vertrauen auf seinen Glauben das Unmögliche nicht nur zu denken wagte". "Sein Mut war und ist beispielhaft", erklärte Jung. Leipzig habe ihm "viel zu verdanken".

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Die Leipziger Montagsdemonstrationen

Die Leipziger Montagsdemonstrationen gelten als Auslöser für die friedliche Revolution in der DDR. Ihren Ausgangspunkt hatten sie an der Nikolaikirche im Zentrum der Stadt. Deren Pfarrer, Christian Führer, gehörte zu den Initiatoren. Er öffnete die Kirche jeden Montag für ein Friedensgebet. Am 4. September 1989 kam es nach dem Gebet erstmals zu einer Menschenansammlung auf dem Vorplatz der Kirche. Am 25. September zogen etwa 6000 Menschen erstmals durch die Straßen der Innenstadt, die Woche darauf waren es bereits 20.000.

Am 9. Oktober rückte die Stadt Leipzig schlagartig in den Blickpunkt der Öffentlichkeit: Fast 100.000 Menschen zogen durch die Straßen und skandierten „Wir sind das Volk!“. An diesem Tag standen rund 8000 bewaffnete Polizisten, Soldaten der Nationalen Volksarmee und Angehörige der Kampfgruppen den Demonstranten gegenüber. Doch der Einsatzbefehl blieb aus. Die besonnene Haltung der Demonstranten („Keine Gewalt“) und die Appelle von Prominenten, darunter Star-Dirigent Kurt Masur, verhinderten eine blutige Eskalation.

Heute gedenkt Leipzig in jedem Jahr am 9. Oktober der Ereignisse vom Herbst 1989. Traditionell hält an diesem Tag eine Persönlichkeit des politischen oder kulturellen Lebens in der Nikolaikirche die „Rede zur Demokratie“.

afp