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Deutschland / Welt Obama warnt vor globalen Folgen der Euro-Krise
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Obama warnt vor globalen Folgen der Euro-Krise
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11:40 13.09.2011
US-Präsident Obama mahnt Europa zum entschlossenen Handeln. Quelle: dpa
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Wahsington

US-Präsident Barack Obama hat die Europäer zum entschlossenen Kampf gegen die Schuldenkrise aufgerufen. Die Währungsunion müsse durch eine abgestimmte Haushaltspolitik ergänzt werden, sagte Obama dem spanischsprachigen Dienst der Deutschen Presse-Agentur und anderen spanischsprachigen Agenturen. Besorgt äußerte er sich über mögliche globale Konsequenzen der Euro- Krise: Die Situation in Europa werde zweifellos auch Folgen für die US-Wirtschaft haben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wies Spekulationen über eine mögliche Insolvenz des hochverschuldeten Euro-Staates Griechenland strikt zurück. Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte diese Spekulationen am Montag angeheizt. Mit dem Euro entscheide sich auch die Zukunft Europas, sagte die Kanzlerin am Dienstag im RBB-Inforadio. „Und deshalb sollte jeder auch seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht brauchen können, ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon groß genug.“

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Italiens Finanzen stehen auf der Agenda

Schuldenkrise und Euro-Rettung werden am Mittag auch Thema eines Gesprächs der Kanzlerin mit dem finnischen Ministerpräsidenten Jyrki Katainen sein. Finnland verlangt bei dem geplanten zweiten Hilfspaket für Griechenland Extra-Garantien, Berlin lehnt Sonderregeln einzelner Euro-Partner zulasten der anderen Länder ab. Nächste Etappe ist das Finanzministertreffen ab Freitag im polnischen Breslau (Wroclaw).

Die schwierige Finanzlage Italiens steht im Mittelpunkt eines Treffens von Regierungschef Silvio Berlusconi am Nachmittag mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Straßburg. Italien verhandelt nach Berichten der britischen „Financial Times“ und der Nachrichtenagentur Bloomberg seit Wochen intensiv mit Vertretern chinesischer Investmentfonds über den Kauf italienischer Staatsanleihen und eine Beteiligung an führenden Unternehmen.

Obama äußerte sich im dpa-Interview in Washington auch besorgt zu den europäischen Schulden-Ländern Italien und Spanien. „Letztlich müssen sich die großen Länder in Europa und deren politische Führer zusammenfinden und eine Entscheidung darüber fällen, wie sie die Währungsintegration mit einer effektiveren und abgestimmten Haushaltspolitik zusammenbringen.“ Er fügte hinzu: „Wir leben heute in einer integrierten Weltwirtschaft. Das, was jenseits des Atlantiks oder des Pazifiks geschieht, hat gewaltigen Einfluss auf Amerika, auf unseren gesamten Kontinent, nicht nur auf die USA.“

Merkel distanziert sich von Rösler

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf Wirtschaftsminister Rösler vor, mit seinen Äußerungen über einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands die Krise verschärft zu haben. „Den deutschen Steuerzahler wird dies weitere Milliarden kosten“, sagte Steinmeier der dpa. Ein Vizekanzler der größten Volkswirtschaft in Europa müsse wissen, dass er mit solchen Sätzen die Finanzmärkte gefährlich ins Rutschen bringen könne.

Rösler hatte in der Zeitung „Die Welt“ geschrieben, es dürfe auch kurzfristig keine Denkverbote mehr geben. „Dazu zählt notfalls auch eine geordnete Insolvenz Griechenlands, wenn die dafür notwendigen Instrumente zur Verfügung stehen.“

Merkel sagte: „Ich glaube, wir tun Griechenland den größten Gefallen, indem wir wenig spekulieren, sondern Griechenland ermutigen, die Verpflichtungen auch umzusetzen, die es eingegangen ist.“ Vor der Kanzlerin hatte sich schon Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) indirekt von Rösler und seinen Griechenland-Äußerungen distanziert. Die Finanzmärkte reagierten derzeit “übertrieben nervös“, sagte er im ZDF. „Da macht es keinen Sinn, (...) die Nervosität durch Gerede zu verstärken.“

Finanzmärkte reagieren nervös

Schäuble und sein Athener Amtskollege Evangelos Venizelos sprachen am Montagabend telefonisch über die griechische Schuldenkrise. Das Gespräch sollte an diesem Dienstag fortgesetzt werden, teilte das griechische Finanzministerium mit. Auch die jüngste Debatte über eine mögliche Staatspleite Griechenlands sei erörtert worden.

Die wichtigsten deutschen Aktien-Indizes drehten am Dienstag nach einem zaghaften Erholungsversuch ins Minus. Belastet wurden sie von anhaltenden Sorgen um die französischen Banken. Händlern zufolge machen sich Sorgen breit, dass den Banken die Tür zu den US- Kapitalmärkten zur Finanzierung zugeschlagen wird. Zudem sorgten sich Händler, dass China vor Investitionen in Italien zurückscheut.

dpa