Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Opposition schmäht TV-Duell
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Opposition schmäht TV-Duell
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:53 14.09.2009
Die Opposition hat das TV-Duell als unzeitgemäß kritisiert. Quelle: ddp
Anzeige

Union und SPD traten am Tag nach dem Fernsehspektakel dem Eindruck entgegen, eine Fortsetzung der großen Koalition anzustreben.

FDP-Chef Guido Westerwelle sprach am Montag von einer “öffentlichen Kabinettssitzung“ und einem „Selbstgespräch“ der regierenden Parteien. „Aus allen Poren“ habe es nach großer Koalition gerochen. Die wichtigsten Zukunftsthemen wie Bildung und Forschung seien ausgespart worden. Westerwelle kritisierte erneut, dass die Opposition beim TV-Duell „ausgesperrt“ worden sei, und bekräftigte, dass die Liberalen nach der Bundestagswahl eine bürgerliche Koalition mit der Union anstrebten. Eine weitere große Koalition sowie eine Linksregierung müsse verhindert werden.

Anzeige

Die Linkspartei sprach von einer „Kuschelveranstaltung“. Merkel und Steinmeier hätten offensichtlich für eine Fortsetzung von Schwarz-Rot geworben, sagte Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. Dabei habe sich Steinmeier „erneut als Vizekanzler beworben“. Da Themen wie Bildung oder neue Steuerbelastungen ausgeklammert worden seien, habe die Linke die Sorge, dass den Menschen vor dem Wahltag neue Belastungen „verheimlicht“ werden sollten.

Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin kritisierte das TV-Duell als nicht mehr zeitgemäß. Es stamme aus einer Zeit, „wo man geglaubt hat, dass es zwei große Parteien gibt“. Keiner der beiden Kontrahenten werde aber ohne Hilfe einer oder zwei weiterer Parteien in das Kanzleramt einziehen können, es sei denn, „sie haben sich jetzt schon darauf verständigt, dass sie weitermachen wollen.“ Grünen-Chefin Claudia Roth bezeichnete das Duell als „politische Luftgitarrenmeisterschaft“ und „dröge Regierungsveranstaltung“.

CSU-Chef Host Seehofer zeigte sich dagegen „sehr zufrieden mit unserer Kanzlerin“. Allerdings habe sich am Sonntag erneut gezeigt, dass die Union „noch engagiert und hart kämpfen muss, um die Bundestagswahl zu gewinnen“. Die Wahl sei „offen“. Es komme „noch eine spannende Endphase im Wahlkampf“.

Die Kanzlerin bekräftigte derweil, dass sie ein Bündnis mit der FDP anstrebt. Die große Koalition sollte in der parlamentarischen Demokratie eine Ausnahme sein. Die SPD sieht Merkel in „schweren Richtungskämpfen um das Verhältnis zur Linkspartei“. Bei den Sozialdemokraten werde der Parteiflügel stärker, „der sich eine Zusammenarbeit auf Bundesebene wünscht.“

Nach dem sachlich geführten TV-Duell verschärfte Steinmeier unterdessen die Tonlage gegenüber Merkel. In der Parteizeitung „Vorwärts“ warf er der CDU-Chefin Ideenlosigkeit vor. „Wir haben es mit der ’Ich auch’-Kanzlerin zu tun: Wann immer jemand eine erfolgversprechende Idee hat, sagt Angela Merkel: ’Ich auch.’ Das mag geschickt erscheinen, ist aber völlig substanzlos“, kritisierte der SPD-Kanzlerkandidat. Wenn es zu Schwarz-Gelb komme und die FDP Sozialabbau und Steuersenkungen für Reiche fordere, „wird Frau Merkel wieder laut Ja rufen“.

SPD-Chef Franz Müntefering stellte nochmals klar, dass er eine Fortsetzung der großen Koalition ablehne: „Man kann nicht so weiter machen.“ Ein Ampelbündnis von SPD, Grünen und FDP schloss er nicht aus - nur eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei, „alle anderen müssen irgendwie miteinander können“. SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte, das TV-Duell habe seiner Partei „Rückenwind“ gegeben für den Schlussspurt im Wahlkampf.

ddp

Mehr zum Thema

Johannes Schäfer hört den Worten der Kanzlerin und des Herausforderers genau zu. Wenn ihn das Gesagte überzeugt, drückt der 27-jährige Student eine Taste mit einem Plus, wenn nicht, dann drückt er eine Taste mit einem Minus.

14.09.2009

Vom Duett zum Duell: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier standen 90 Minuten in der Wahlkampfarena und schonten sich dabei weitegehend.

14.09.2009

Das einzige Fernseh-Duell zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Spitzenkandidat Frank-Walter Steinmeier ist am Sonntagabend betont sachlich verlaufen. In inhaltichen Fragen haben die beiden Politiker kaum Unterschiede erkennen lassen.

Alexander Dahl 14.09.2009