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Deutschland / Welt PKV fordert Kostenbremse
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17:34 28.12.2010
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Die Mediziner rechneten teils zu viel und fehlerhaft ab. Nach Schätzungen des Bundes der Versicherten sollen die PKV-Beiträge 2011 im Schnitt um sieben bis acht Prozent steigen, in einigen Tarifen sogar um 35 Prozent. In den Jahren 1997 bis 2008 wuchsen sie nach Medienberichten bereits um 52 Prozent - deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Leienbach verwies gegenüber der Nachrichtenagentur dapd auf die „Tarifvielfalt“ und sagte, der Dachverband habe zur Prämienentwicklung der 45 Mitgliedsuntenehmen keine eigenen Erkenntnisse. Nach öffentlichen Äußerungen der Unternehmen lägen die Beitragserhöhungen 2011 bei durchschnittlich zwei bis sieben Prozent.

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Unabhängig davon bekannte der Verbandsmanager: „Die Private Krankenversicherung muss die Realität abbilden. Wenn die Ausgaben steigen, dann müssen die Versicherten das zahlen. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Ausgaben nicht unbegrenzt weiter steigen.“

„Medizinisch nicht zu erklären“

Leienbach beklagte, dass die veralteten Gebührenordnungen Ärzte und Zahnärzte verleiteten, immer mehr Leistungen abzurechnen. „Das eigentliche Problem ist, dass die Gebührenordnung dazu einlädt, alle Spielräume auszunutzen und die Menge auszuweiten“, sagte er. Die PKV verzeichne ein jährliches Honorarwachstum um vier bis sieben Prozent.

Als Beispiel nannte der Verbandsmanager Laboruntersuchungen: „Wir geben pro Kopf in der privaten Krankenversicherung fünf mal so viel für Labormedizin aus wie die gesetzliche Krankenversicherung, das ist medizinisch nicht zu erklären.“

Darüber hinaus kritisierte er die Abrechnungspraxis in einigen Krankenhäusern. „Es ist häufig so, dass der Chefarzt die Rechnung unterschreibt, ohne dass die Patienten ihn gesehen haben“, sagte Leienbach.

Der Verbandsvertreter verlangte ein Ende dieser Praxis und eine rasche Novelle der Gebührenordnungen mit einer Öffnungsklausel, nach der die Versicherer auch Einzelverträge mit Ärzten abschließen dürften.

Rösler müsse das Projekt dringend angehen. „Das geht nicht mehr weiter so“, sagte Leienbach. Die PKV-Versicherten „brauchen eine Perspektive, ihre Versicherung langfristig bezahlbar zu halten. Und wir brauchen eine Handhabe, Qualität zu vereinbaren und Kosten zu kontrollieren.“

Warnung vor Lockangeboten

Die gesetzlichen Ersatzkassen warnten derweil vor „unseriösen Lockangeboten“ der privaten Konkurrenz. Da der Wechsel in die PKV ab Januar 2011 einfacher werde, seien private Versicherungsmakler bereits auf „Kundenfang“, erklärte der Ersatzkassenverband vdek. Wer „billigen Lockangeboten“ folge, müsse womöglich im Alter mit steigenden Beiträgen rechnen. Ein Zurück in die gesetzliche Kasse gebe es später nicht mehr.

Mit der Gesundheitsreform entfällt ab 1. Januar die dreijährige Wartefrist für Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von mehr als 49.500 Euro, die von der gesetzlichen in die private Kasse wechseln wollen. Die gesetzlichen Kassen befürchten Verluste, wenn ihnen Gutverdiener als Beitragszahler verloren gehen.

dapd