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Deutschland / Welt Wie rechnen Lehrer?
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00:15 06.10.2013
Von Saskia Döhner
Verrechnet? 70 Prozent der Lehrer bekommen „Anrechnungsstunden“. Quelle: dpa
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Hannover

Wenn die niedersächsische Landesregierung, wie angekündigt, die Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer ab nächstem Sommer um eine Stunde von 23,5 auf 24,5 Wochenstunden erhöht, dann bedeutet das nicht einfach nur, dass die Pädagogen eine Stunde mehr in der Klasse stehen. Es bedeute auch, so rechnet Horst Audritz vom Philologenverband vor: eine Stunde mehr Vorbereitung, mehr Schüler und mehr Arbeiten, die zu korrigieren seien. Die Lehrer lehnen deshalb die Erhöhung der Stundenzahl vehement ab. Doch die Kalkulation hat einen Haken: Denn es gibt kaum noch Lehrer in Niedersachsen, die die volle Pflichtstundenzahl unterrichten müssen.

Wie das Kultusministerium jetzt auf Anfrage mitteilte, bekommen rund 70 Prozent der vollzeitbeschäftigten Pädagogen sogenannte Anrechnungenstunden. Das sind Ermäßigungen, weil die Lehrer Klassen, Fachkonferenzen oder Arbeitsgemeinschaften leiten, Stundenpläne erstellen, die Schulbuchausleihe betreuen, die Schülervertretung beraten oder sich in der Schulentwicklungsplanung engagieren. Lediglich rund 12 000 von den 41 000 Vollzeitlehrern an öffentlichen Schulen (ohne Berufsschulen) erhalten keine Ermäßigung. Für die Gymnasiallehrer im Besonderen gilt das genauso: Nur ein knappes Drittel der derzeit rund 10 000 Pädagogen muss tatsächlich 23,5 Stunden pro Woche in einer Klasse stehen.

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Der Kampf gegen die zusätzliche Unterrichtsstunde wird trotz Ermäßigungen hart ausgetragen. Tausende Lehrer gehen auf die Straße, um gegen die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung und die Aussetzung einer versprochenen Altersermäßigung zu protestieren. An immer mehr Gymnasien wollen die Lehrer ab nächstem Sommer keine Klassenfahrten mehr machen. Verpflichten kann man sie nicht. Mehrtägige Klassenfahrten sind freiwillig – für Schüler und Lehrer. So werden etwa manche Fünftklässler, die eben noch Spaß an der neuen Schule hatten, in diesen Tagen durch Reise- und Ausflugsabsagen bitter enttäuscht.

Die Belastung sei immer stärker gewachsen, klagen die Lehrer: große Klassen, das vorgezogene Abitur, die Umsetzung der Kerncurricula, das alles mache mehr Arbeit. 50-Stunden-Wochen seien die Regel. Bildungsexperten bestreiten das nicht grundsätzlich – zumindest während der Schulzeit. In der unterrichtsfreien Zeit, immerhin rund drei von zwölf Monaten im Jahr, gebe es dafür allerdings auch viel Ausgleich.

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