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Deutschland / Welt Papst in Freiburg umjubelt
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16:21 24.09.2011
Der Papst in Freiburg. Quelle: dpa
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Freiburg/Erfurt

Mit begeisterten „Benedetto“-Rufen und weiß-gelben Fähnchen ist Papst Benedikt XVI. auf der letzten Station seiner Deutschland-Reise in Freiburg empfangen worden. In der Universitätsstadt will er sich mit Vertretern der Orthodoxen Kirche in Deutschland und dem Präsidium des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie mit Altkanzler Helmut Kohl (CDU) treffen. Am Abend ist auf dem Messegelände eine Gebetsvigil mit 30 000 Jugendlichen geplant, am Sonntag eine Messe auf dem Flugplatz mit 90.000 Gläubigen. Am Morgen hatte Benedikt bei einer Messe auf dem Erfurter Domplatz den Mut der Katholiken in DDR-Zeiten gewürdigt.

In Freiburg jubelten 24.000 Menschen dem Pontifex bei strahlendem Sonnenschein zu. Der 84-Jährige fuhr in einem Sessel sitzend im Papamobil durch eine von Menschen gesäumte enge Gasse zum Münster. Durch die offenen Seitenfenster winkte er den Gläubigen freundlich zu. Nach einem kurzen Rundgang durch das 1513 fertiggestellte Gotteshaus und einem Gebet richtete Benedikt vor dem Westflügel ein Grußwort an 3000 ausgewählte Bürger.

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In Anwesenheit von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erwiderte das Kirchenoberhaupt scherzhaft die zahlreichen herzlichen Willkommensgrüße. „Mein besonderer Dank gilt dabei eurem lieben oberwürdigsten Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für die Einladung. Er hat mich so bedrängt, dass ich am Schluss sagen musste: Nach Freiburg muss ich wirklich kommen“, sagte Benedikt schmunzelnd und erntete Gelächter. Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, hatte den Papst zuvor mit den Worten begrüßt: „Lange haben wir auf diesen Moment gewartet.“

Für Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein, der den Papst ständig begleitet, war es ein Heimspiel: Er wurde 1984 im Freiburger Münster zum Priester geweiht. Joseph Ratzinger war in der Kirche zuletzt 1978 mit Mutter Teresa beim Deutschen Katholikentag zu Gast.

Bei der Papstmesse auf dem Domplatz in Erfurt mit 28 000 Gläubigen herrschte am Morgen ähnlich gute Stimmung wie in Freiburg. Der Papst hob die Standfestigkeit der Katholiken in Osten hervor. „Die politischen Veränderungen des Jahres 1989 in unserem Land waren nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert, sondern entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.“

Außerhalb des offiziellen Programms hatte er am Vorabend Missbrauchsopfer getroffen und sich erschüttert gezeigt. Im Priesterseminar von Erfurt sprach er unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit zwei Frauen und drei Männern, die von Priestern oder in katholischen Heimen sexuell missbraucht worden waren. Der Trierer Bischof Stefan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz, sagte, die Atmosphäre sei gut und frei von Vorwürfen gewesen. Der Papst habe seine Scham zum Ausdruck gebracht. Opferinitiativen bedauerten, dass ihre Vertreter nicht zu dem Treffen eingeladen worden seien.

Der Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch von Kindern in kirchlichen und anderen Einrichtungen hatte im vergangenen Jahr an den Grundfesten der katholischen Kirche gerüttelt. In einer Erklärung des Vatikans und der Bischofskonferenz hieß es, der Papst habe den Anwesenden versichert, dass den Verantwortlichen in der Kirche an der Aufarbeitung aller Missbrauchsdelikte gelegen sei. Sie seien um wirksame Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen bemüht.

Das Netzwerk Betroffener von sexualisierter Gewalt kritisierte die Begegnung als „scheinheilig“. Sie sei ein Rückschritt und diene dem Verschweigen, Vertuschen und Verleugnen, sagte der Vorsitzende der Opfervereinigung, Norbert Denef, der Nachrichtenagentur dpa: „Das bringt überhaupt nichts. Das ist eine Strategie, um der Gesellschaft zu signalisieren, wir tun etwas.“

Am Morgen sorgte ein Zwischenfall in Erfurt für Aufregung: Etwa zwei Stunden vor Beginn der Messe mit dem Papst auf dem Domplatz gab ein Mann mit einem Luftdruckgewehr vier Schüsse auf private Sicherheitskräfte an einer Kontrollstelle ab. Die Polizei nahm einen Verdächtigen fest, der die Tat bestreitet. Verletzt wurde niemand.

Zum Abschluss der Papstmesse vor der imposanten Kulisse von Mariendom und Severikirche läutete die „Gloriosa“ im Dom. Die 11,5 Tonnen schwere größte freischwingende Glocke des Mittelalters erschallt nur noch selten zu Höhepunkten des Kirchenjahres. „Ich danke Ihnen für Ihre Hinwendung und Liebe zu den Menschen in Thüringen“, sagte Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) zum Abschied Benedikts am Flughafen.

In Freiburg bleibt der Papst bis Sonntag. Dann fliegt er zurück nach Rom.

dpa

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Nach den Luftgewehrschüssen am Rande des Papstbesuchs in Erfurt bestreitet ein festgenommener Mann die Tat. Er war gegen 11.00 Uhr in der mehrere Hundert Meter vom Domplatz entfernten Wohnung gestellt worden. Von dort waren vier Schüsse auf Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes abgegeben worden.

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