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Deutschland / Welt Papst kritisiert Pakistan wegen Blasphemie-Gesetzes
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14:03 10.01.2011
Eine Frau der koptischen Gemeinde trägt sich in der Glaubenskirche im Stadtteil Lichtenberg in Berlin in ein Kondolenzbuch ein, das aufgrund der bei einem Anschlag in Alexandria verstorbenen Menschen ausliegt. Quelle: dpa
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Papst Benedikt XVI. hat eindringlich Religionsfreiheit in aller Welt eingefordert und in dem Zusammenhang mit ungewöhnlicher Deutlichkeit Pakistan kritisiert. Bei einer Audienz für Diplomaten am Montag in Rom forderte das Kirchenoberhaupt die Abschaffung des Blasphemie-Gesetzes in dem islamischen Staat. „Ich ermutige die Verantwortungsträger dieses Landes erneut, die nötigen Anstrengungen zu unternehmen, es aufzuheben, umso mehr, da es offensichtlich als Vorwand dient, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren“, erklärte der Pontifex.

Das sogenannte Blasphemie-Gesetz, das „Gotteslästerung“ unter Strafe stellt, ist auch in Pakistan selber hoch umstritten. Für weltweite Bestürzung sorgte im November die Verurteilung einer pakistanischen Christin zum Tod durch den Strang. Die Frau soll sich abfällig über den Propheten Mohammed geäußert haben. Die Mutter von fünf Kindern hatte dies jedoch bestritten.

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Vor wenigen Tagen war der Gouverneur der ostpakistanischen Provinz Punjab, Salman Taseer, von einem seiner Leibwächter erschossen worden. Der Attentäter gab später als Grund für den Mord die scharfe Kritik des Gouverneurs am Blasphemie-Gesetz an. Taseer hatte sich vehement für dessen Abschaffung eingesetzt.

Pakistan hat bislang kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt, gleichwohl sitzen Dutzende Menschen wegen des Gesetzes in Gefängnissen. Nach Einschätzung von Menschenrechtlern und Juristen geht es vielfach nicht um „Gotteslästerung“, sondern um politisch oder religiös motivierte Rache. Nur drei Millionen der mehr als 160 Millionen Pakistaner sind Christen.

Religionsfreiheit als Grundlage für Frieden

Papst Benedikt sieht in Religionsfreiheit eine wesentliche Grundlage für den Frieden in der Welt, wie er in seiner Ansprache vor den am Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomaten betonte. „Die religiöse Dimension ist ein unleugbares und unbezwingliches Merkmal des menschlichen Seins und Handelns.“ Wenn dieser „fundamentale Aspekt“ vernachlässigt werde, komme es zu Konflikten auf allen Ebenen. Friede lasse sich „nur dann aufbauen und bewahren, wenn der Mensch Gott frei suchen und dienen“ könne.

Die Attentate und Drangsalierungen, denen Christen unter anderem im Irak und in Ägypten ausgesetzt seien, hätten ihn „zutiefst betrübt“, sagte Benedikt. Er appellierte wie schon in seiner Neujahrsbotschaft an die politischen Verantwortlichen der betroffenen Regionen, aber diesmal auch an die islamischen Religionsführer, „sich dafür einzusetzen, dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben und weiterhin ihren Beitrag zu der Gesellschaft leisten können, deren vollgültige Mitglieder sie sind“.

Bei einem Selbstmordattentat auf eine koptische Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria waren in der Silvesternacht 23 Menschen ums Leben gekommen.

dpa

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