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Deutschland / Welt Papst spricht „Wort zum Sonntag“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Papst spricht „Wort zum Sonntag“
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14:54 17.09.2011
Papst Benedikt XVI. spricht das „Wort zum Sonntag“. Quelle: dpa
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Berlin

Wenige Tage vor dem Deutschlandbesuch von Papst Benedikt XVI. hat Kanzlerin Angela Merkel die Hoffnung geäußert, dass die Reise katholische und evangelische Christen näher zusammenbringt. Die Ökumene stehe im Mittelpunkt der Visite, sagte die CDU-Chefin am Samstag in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. Weiter gestritten wird derweil über den geplanten Auftritt des Pontifex im Bundestag. Unions- Fraktionschef Volker Kauder bezeichnete den angekündigten Boykott vieler Bundestagskollegen in einem Gastkommentar für die „Bild am Sonntag“ als „beschämend“.

Der Berliner Verfassungsrechtler Christian Pestalozza sieht die weltanschauliche Neutralität des Staates durch den Bundestagsauftritt nicht verletzt. Auch die Mehrheit der Deutschen sieht kein Problem: 51 Prozent finden es nach einer Emnid-Umfrage für das Magazin „Focus“ richtig, dass der Papst im Bundestag spricht. 39 Prozent halten es für falsch.

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Mit Spannung wurde erwartet, was der Papst selbst vor seinem Deutschlandbesuch zu sagen hat: Am Samstagabend wollte Benedikt XVI. das „Wort zum Sonntag“ in der ARD sprechen. Der Pontifex reist am 22. September zuerst nach Berlin und besucht in den folgenden Tagen Thüringen und Freiburg, bevor er am 25. September nach Rom zurückfliegt.

Bundeskanzlerin Merkel sagte in ihrer Videobotschaft, es sei „wichtig, die Einheit der Christen in unserer Zeit wieder zu betonen, denn die Säkularisierung schreitet voran, und das Gemeinsame des christlichen Glaubens sollte immer wieder in Erinnerung gerufen werden“. Merkel, selbst bekennende Protestantin, würdigte die Rolle der katholische Kirche: Sie sei weltweit verankert und trage eine weltweite Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden. „Diese Rolle ist in unseren Zeiten von unschätzbarem Wert.“

In der Debatte über den Bundestagsauftritt des Papstes sagte Kauder in Richtung der Parlamentarier, die die Rede boykottieren wollen: „In einer Demokratie kann jeder Kritik an einer Person äußern. Man muss ihm aber zuerst zuhören. Das ist ein Gebot des Anstands (...)“

Verfassungsrechtler Pestalozza hat keine Bedenken wegen der Rede. Er sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wenn ich einem Gast erlaube und bitte, vor meinem Forum zu sprechen, heißt das noch nicht, dass ich mich mit seinen Meinungen, seiner Herkunft oder seiner Tradition identifiziere.“

Etwa 100 Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken wollen der Rede am 22. September fernbleiben, weil sie den Auftritt für unvereinbar halten mit der religiösen Neutralität des Staates. Die Befürworter entgegnen, der Papst sei als Staatsoberhaupt des Vatikan im Rahmen seines Staatsbesuchs eingeladen worden.

Einige Mitglieder der Grünen-Fraktion planen nach Angaben des Abgeordneten Omid Nouripour, mit Aids-Schleifen zu erscheinen. „Wir möchten uns mit Aids-Kranken solidarisieren vor dem Hintergrund der aus unserer Sicht kritikwürdigen Verhütungspolitik des Vatikans“, sagte Nouripour dem „Focus“. An der Sitzung teilzunehmen sei aber ein „Akt der Höflichkeit“.

Trotz der Boykottankündigungen sind leere Reihen im Bundestag bei der Papst-Rede unwahrscheinlich. Alle Fraktionen hatten sich darauf verständigt, freie Plätze durch ehemalige Abgeordnete aufzufüllen. Dazu wurde bereits eingeladen.

dpa

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