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Deutschland / Welt Straßburg: Parallelen zu Berliner Attentat sind frappierend
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Straßburg: Parallelen zu Berliner Attentat sind frappierend
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14:37 12.12.2018
Einsatzkräfte der Polizei sichern einen Eingang zur Altstadt und damit zum Weihnachtsmarkt. Quelle: Christoph Schmidt/dpa
Berlin

Es dauerte am Mittwoch eine ganze Weile, bis Details über den Attentäter von Straßburg durchsickerten. Nur eines war von Anfang an frappierend: Die Parallelen zum Attentat vom Berliner Breitscheidplatz vor nun fast genau zwei Jahren, als zwölf Menschen sterben mussten und zahlreiche weitere teilweise schwer verletzt wurden. Die Parallelen wiederum sind nicht etwa bloß grausamer Zufall. Sie sagen Wesentliches aus über den islamistischen und zuweilen auch pseudoislamistischen Terrorismus, wie wir ihn heute vorfinden. Für die Hinterbliebenen vom Breitscheidplatz ist dies tragisch.

Die Straßburger Tat, so viel steht fest, geschah auf einem Weihnachtsmarkt – wie in Berlin. Sie wurde von einem jungen Mann ausgeführt, der polizeibekannt war und als Gefährder galt – wie in Berlin. Und schließlich war dieser Mann bis zuletzt auf der Flucht – wie es in Berlin Anis Amri war. Ja, mehr noch. Beide Täter waren, bevor sie gezielt unschuldige Menschen umbrachten, grenzüberschreitend allgemeinkriminell tätig und saßen grenzüberschreitend in Haft. Der eine in Italien, der andere – wie im aktuellen Fall – in Deutschland. So blieb auch verständlicherweise in der Schwebe, wofür man sie halten sollte: Einfache Straftäter oder schwere Politkriminelle. Lediglich ein bedeutsamer Unterschied existiert, neben dem Instrument der Tat: Während der in Italien erschossene Amri sich als Flüchtling ausgab, hat sein Wiedergänger von Straßburg zwar ebenfalls nordafrikanische Wurzeln, ist aber französischer Staatsbürger – weshalb man ihn auch nicht hätte abschieben können. Für die Terrorbekämpfer stecken in diesen Gemeinsamkeiten gute und weniger gute Nachrichten.

Weniger Opfer, isolierte Täter

Das Gute im Schlechten hat trotz der Tat von Straßburg weiterhin Bestand: Die Terrorgefahr ist heute weniger groß als 2016. Erst kürzlich hat der Global Terrorism Index des Londoner Institute for Economics & Peace (IEP) ergeben, dass die Zahl der Terrortoten weltweit zurückgegangen ist. Das ist für jene, die in Deutschland oder Frankreich durch die Hand von Terroristen umkommen, wahrlich kein Trost, für die Lebenden aber vielleicht schon. In jedem Fall hat es Gründe. Denn der nach Al Kaida in der Szene maßgebliche „Islamische Staat“ (IS) hat durch den Zerfall des selbst ernannten Kalifats in Syrien und dem Irak an Schlagkraft und Ausstrahlung verloren. Zu koordinierten Anschlägen an mehreren Orten ist er vorerst nicht mehr fähig. Das Schlechte im Schlechten gilt jedoch ebenso. Es besagt, dass die Terrorgefahr nicht grundsätzlich verschwindet, sondern latent fortbesteht. Daraus ergeben sich für die Sicherheitsbehörden bis auf weiteres zwei wesentliche Schlussfolgerungen.

Die erste Schlussfolgerung lautet: Die Terrorgefahr lässt sich zwar begrenzen. Aber sie lässt sich nicht völlig ausschalten. So wird der Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz zwar mit Pollern und Zäunen gesichert wie nie zuvor. Er sieht aus wie ein Hochsicherheitstrakt. Doch dass jemand kommt und einfach um sich schießt, das können Beton und Stahl nicht verhindern. Straßburg zeigt dies eindringlich. Umso mehr gilt es, einsame Wölfe wie Anis Amri und Chérif C. ins Visier zu nehmen, desintegrierte Menschen also, denen – aus eigener Sicht! – kein anderer Weg gangbar erscheint, als das individuelle Scheitern im Sinne einer vermeintlich höheren islamistischen Botschaft zu verklären. Tatsächlich haben weiche Faktoren wie die persönliche Lebenssituation potenzieller Täter längst Eingang in das neue Gefährder-Analysesystem des Bundeskriminalamts namens „Radar“ gefunden.

Die zweite Schlussfolgerung lautet, den grenzüberschreitenden Anti-Terror-Kampf zu intensivieren. Nein, Garantien, dass Anschläge wie jene von Straßburg unterbunden werden können, bietet dies nicht. Schließlich demonstriert der Fall Amri, wie schon die deutschen Sicherheitsbehörden vor dem Breitscheidplatz-Attentat an Kooperation und Risikobewertung scheiterten. Freilich demonstrieren gerade die Fälle Berlin 2016 und Straßburg 2018 die europäische Dimension des Terrors deutlicher denn je. Nichts spricht dagegen und alles dafür, dem europäisch zu begegnen.

Lesen Sie auch: Die Ereignisse in Straßburg im Liveblog

Von Markus Decker/RND

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