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Deutschland / Welt Pflegeheime der Diakonie betreiben Lohndumping
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Pflegeheime der Diakonie betreiben Lohndumping
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10:06 22.01.2011
Von Gabi Stief
Quelle: dpa (Archiv)
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Der Diakonische Dienstgeberverband in Niedersachsen (DDN) räumte am Freitag ein, dass es einzelne „schwarze Schafe“ gebe, deren Praxis nicht hinnehmbar sei. Notfalls müssten die Unternehmen, die gegen Tariftreue und Kirchenrecht verstoßen, aus der Diakonie ausgeschlossen werden, sagte DDN-Vorsitzender Hans-Peter Hoppe dieser Zeitung.

Hoppe schätzt die Zahl der Diakonie-Mitarbeiter, die durch Ausgliederung in Billiggesellschaften Lohnverluste erleiden, auf gut acht Prozent der bundesweit 435.000 Festangestellten. Während eine examinierte Altenpflegerin nach zwei Jahren Berufserfahrung bei der Diakonie pro Stunde 14,28 Euro bekommt, zahlt die Leiharbeitsfirma nur 10,16 Euro. Offenbar gründen Geschäftsführer diakonischer Einrichtungen zudem zunehmend GmbHs, um gekündigte Beschäftigte zu schlechteren Konditionen wieder neu einzustellen.

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Trotz des wirtschaftlichen Drucks, unter dem alle sozialen Einrichtungen stehen, sei diese Praxis nicht zu rechtfertigen, sagte Arbeitgebervertreter Hoppe. Um die Strukturen zu modernisieren, sei die Gründung eigener Servicegesellschaften zwar unausweichlich. „Aber bei jeder Ausgründung halten wir uns an das gültige Tarifrecht.“ Auch befristete Arbeitsverträge und zuschlagsfreie Teilzeitarbeit seien notwendig, um noch wirtschaftlich arbeiten zu können.

Hoppe machte die Politik für die Missstände mitverantwortlich. Er forderte die Landesregierung auf, für eine bessere Vergütung der Pflegeeinrichtungen durch die Pflegekassen und höhere Investitionszuschüsse zu sorgen. In der Vergütungstabelle der alten Bundesländer stehe Niedersachsen an letzter Stelle. „Andernorts ist die Pflege mehr wert.“ Aufgrund der vielen privaten Anbieter in Niedersachsen, die geringere Gehälter zahlten, sei zudem der Konkurrenzdruck für die Wohlfahrtsverbände besonders groß. Die Lohnspanne für Altenpflegerinnen reiche von 43.000 Euro bei der Diakonie bis zu 28.000 Euro bei Privatanbietern. Ein Überangebot an Heimplätzen wie in der Region Hannover mache das Geschäft nicht leichter.

Die Diakonie ist nicht der erste Wohlfahrtsverband, der wegen Lohndrückerei ins Gerede kommt. Auch bei der Arbeiterwohlfahrt in Essen protestierten kürzlich Mitarbeiter gegen die Auslagerung in eine neue Servicegesellschaft, die nicht mehr tarifgebunden ist und schlechtere Löhne zahlt.

Klaus von der Brelie 21.01.2011