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Deutschland / Welt Plünderer greifen auch Krankenhäuser in Kairo an
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Plünderer greifen auch Krankenhäuser in Kairo an
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23:03 29.01.2011
Die Plünderer seien in Kairo nicht zu stoppen. Quelle: dpa
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Das ägyptische Staatsfernsehen zeigte am Abend erstmals Bilder von Dutzenden von Männern, bei denen es sich um festgenommene Plünderer handeln soll.

Die Leichenhalle des Krankenhauses im Bezirk Abbasija sei voll, ebenso die Intensivstation, sagte eine Ärztin. „Wir haben kein einziges Bett mehr frei.“ Zahlreiche Verletzte gab es nach Angaben von Augenzeugen, als sich Demonstranten vor dem Innenministerium versammelt hatten. Drei Menschen sollen getötet worden sein, als aus dem Gebäude auf sie geschossen wurde.

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Die Lage in Ägypten bleibt explosiv. Die Demonstranten wollen nicht klein beigeben und fordern weiter Mubaraks Rücktritt. Fast 100 Menschen bezahlten den Protest seit Freitag mit ihrem Leben. Plünderer nutzen die Gunst der Stunde.

Einwohner der Wohnanlage Kattamija-Residence in Kairo riefen am Sonnabend die Armee zur Hilfe, nachdem es in der Nachbarschaft zu Plünderungen gekommen war. Am Abend sei die Armee mit einem Panzer und mehreren Fahrzeugen angerückt, berichtete eine deutsche Bewohnerin.

Wegen der dramatischen Verschlechterung der Sicherheitslage haben verzweifelte Einwohner in vielen Vierteln von Kairo auch Bürgerwehren gebildet. Junge Männer und Hausmeister bewaffneten sich am Abend mit Stöcken und Messern, um Angreifer abzuwehren, wie Augenzeugen berichteten. Die Verteidigung der Viertel ist allerdings schwer, weil die Plünderer meist in großen Gruppen von 30 bis 200 Mann auftauchen. Unterdessen rief die ägyptische Armee die Bürger auf, sich selbst zu schützen, wie arabische Nachrichtensender berichteten.

Am internationalen Flughafen Kairo hieß es, am Sonnabend seien 19 Privatmaschinen mit Geschäftsleuten und ihren Angehörigen gestartet. Unter ihnen seien der christliche Unternehmer Naguib Sawiris (Telekom) gewesen sowie Hussein Salam, ein persönlicher Freund von Präsident Husni Mubarak, der an Gasexporten nach Israel beteiligt war.

dpa

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