Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Polizei in Ägypten: Attentäter identifiziert
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Polizei in Ägypten: Attentäter identifiziert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 04.01.2011
Insgesamt starben bei dem Anschlag auf eine Kirche in Ägypten 23 Menschen. Quelle: dpa
Anzeige

Die ägyptische Polizei hat offenbar den Attentäter identifiziert, der in der Silvesternacht den Anschlag auf eine Kirche in Alexandria verübt hat. Aus Sicherheitskreisen in Kairo hieß es am Dienstag, man habe den Kopf eines „asiatisch aussehenden Mannes“ mit langem Haar gefunden, bei dem es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um den Attentäter handele. Der ägyptischen Regierung war von verschiedenen Seiten vorgeworfen worden, sie versuche die Bluttat einer internationalen Terrorgruppe anzulasten, um von den seit Jahren existierenden Spannungen zwischen radikalen Muslimen und koptischen Christen in Ägypten abzulenken.

Am Dienstag erlagen zwei Christen ihren Verletzungen, die sie bei dem Blutbad erlitten hatten. Damit erhöht sich die Zahl der Opfer wohl auf 23. Insgesamt 20 Opfer wurden bislang identifiziert.

Anzeige

Ein Sprengstoffexperte der Polizei hatte kurz nach dem Anschlag erklärt, er glaube nicht, dass die Explosion von einem Selbstmordattentäter ausgelöst worden sei. Die Bombe sei vor der Kirche in einem grünen Auto versteckt gewesen, das von mehreren Augenzeugen beschrieben worden sei.

Das Auto und ein Mann, der neben dem Wagen stand und mit einem Handy telefonierte, taucht in den Aussagen mehrerer Gottesdienstbesucher und Polizisten auf, die zum Zeitpunkt des Anschlages vor der Kirche gestanden hatten. Die ägyptische Regierung hatte schon relativ bald nach dem Anschlag ausländische Terroristen mit Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Kaida für das Massaker verantwortlich gemacht.

Die Protestaktionen von Christen gegen den Anschlag, gingen derweil weiter. An einigen Demonstrationszügen beteiligten sich auch Muslime. An der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo versammelten sich etwa 2000 Studenten. Sie riefen: „Ich bin Muslim, und ich lehne dies ab“ und „Wir sagen nein, zu denjenigen, die Ägypten in Brand setzen wollen“.

Die Polizei verstärkte unterdessen die Sicherheitsvorkehrungen rund um die größeren Kirchen des Landes. Die koptisch-orthodoxen Christen feiern am 7. Januar das Weihnachtsfest. Vor einem Jahr hatte ein Extremist in der Weihnachtsnacht in der oberägyptischen Ortschaft Naga Hammadi nach dem Gottesdienst sechs Christen und einen muslimischen Polizisten erschossen.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria sprechen auch in Deutschland koptische Christen von Bedrohung.

03.01.2011

International verurteilt: Auch US-Präsident Barack Obama hat die Terroranschläge in Nigeria und Ägypten, bei denen in der Silversternacht insgesamt rund 50 Menschen starben, verurteilt - und als ungeheuerlich bezeichnet. Die USA stünden den Völkern beider Länder in dieser schwierigen Situation zur Seite, hieß es in einer am Samstag verbreiteten Erklärung des Präsidenten.

02.01.2011

Sie waren Christen, die mit einer Messe friedlich das neue Jahr begehen wollten. Doch Terroristen richteten bei dem Gottesdienst ein Blutbad an. Dutzende starben oder wurden schwer verletzt.

01.01.2011