Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Polizei räumt „Dschungel“ von Calais
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Polizei räumt „Dschungel“ von Calais
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:45 22.09.2009
Protest gegen die Räumung. Quelle: afp
Anzeige

In dem auch als „Dschungel-Lager“ bekannten Gebiet hätten kriminelle Banden und Menschenschleuser die vor allem aus Afghanistan stammenden Flüchtlinge ausgebeutet und schikaniert.

Die Siedlung in den Dünen müsse weg, weil sie ein „Schleuserstützpunkt“ sei, erklärte Einwanderungsminister Besson. Auf französischem Boden dürfe nicht länger „das Gesetz des Dschungels“ gelten. „Wir werden nicht zulassen, dass Menschenhändler das Gesetz entlang des Ärmelkanals bestimmen.“ Zugleich räumte der Politiker ein, dass die EU-Mitgliedsländer ihre Flüchtlingspolitik besser koordinieren müssten. So habe Frankreich in Brüssel die Schaffung einer gemeinsamen, europäischen Grenzschutzpolizei angeregt.

Anzeige

In dem als „Dschungel“ bekannten Lager im Nordosten von Calais hatten die Menschen teils monatelang in Zelten gehaust, die sie behelfsmäßig aus Decken und Planen zwischen Bäumen und Sträuchern aufzogen. Tagsüber saßen sie vor den Unterkünften, rauchten, tranken Tee und machten Feuer, um ihre Kleidung zu trocknen. Vor allem planten sie aber die Flucht über den Kanal nach Großbritannien, wo sie auf Arbeit und Geld hofften.

Als blinder Passagier in einen der Lastwagen zu gelangen, die auf den Parkplätzen der umliegenden Unternehmen stehen, das war ihr Ziel. Bis die Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisenländern wie Afghanistan, dem Irak, Somalia und dem Sudan es so weit geschafft hatten, hatten sie Tausende Dollar an Menschenhändler gezahlt. Trotzdem sei es keine Lösung, ein Lager wie den „Dschungel“ einfach plattzumachen, sagte Oppositionsführerin Martine Aubry. Wie die Menschen in dem Lager gehaust hätten, sei Frankreichs nicht würdig. „Aber mit Unterstützung von Hilfsorganisationen konnten sie zumindest abwarten.“ Jetzt, wo das Lager geräumt worden sei, würden die Einwanderer sich eben woanders niederlassen, prognostizierte Aubry – genau wie es nach der Schließung des berüchtigten Flüchtlingslagers Sangatte vor sieben Jahren gewesen sei.

Die meisten Männer wehrten sich nicht, als die Polizei sie am Dienstag abführte. Nur eine kleinere Gruppe widersetzte sich, die Beamten trugen sie davon. Mithilfe von Menschenrechtsgruppen hatten die Flüchtlinge mehrere Spruchbänder vorbereitet, denn dass die Siedlung geräumt würde, war seit vergangener Woche klar. „Im ,Dschungel‘ sind wir zu Hause“, stand darauf.

afp