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Deutschland / Welt Polizei überprüft ungeklärte Mordfälle auf Rechtsterror
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08:39 26.11.2011
Das Landeskriminalamt überprüft bisher ungeklärte Fälle aus Niedersachsen auf Verbindungen zum Rechtsextremismus.
Das Landeskriminalamt überprüft bisher ungeklärte Fälle aus Niedersachsen auf Verbindungen zum Rechtsextremismus. Quelle: dpa (Symbolbild)
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  • In der Nacht zum 9. Dezember 2009 feuerten unbekannte Täter mehrere Schüsse auf das Café Mozaik in Hainholz ab. Der türkische Besitzer hielt sich zu diesem Zeitpunkt allein in dem Lokal auf. Der Mann hatte Glück, die Kugeln verfehlten ihn. Die Beamten vermuteten bisher, dass Schulden in dem Fall eine Rolle spielen könnten. Handfeste Beweise aber fehlen. Der Besitzer des Cafés ist der Polizei in der Vergangenheit nicht negativ aufgefallen – das zumindest passt in die Serie von Morden an acht türkischen und einem griechischen Kleinunternehmer, die dem Trio um Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zugerechnet werden.
  • Am 17. Oktober 2003 wurde der 43-jährige Türke Sahil Tatoglu auf offener Straße vor seiner Wohnung in Bemerode erschossen. Die Täter warteten vor dem Mehrfamilienhaus auf den Mann und töteten ihn durch zwei gezielte Schüsse in den Hinterkopf. Der Türke soll in Drogengeschäfte, Geldwäsche und illegale Kreditvermittlung verwickelt gewesen sein.

Nach Angaben des LKA-Sprechers werden derzeit alle noch offenen Tötungsdelikte, Sprengstoffanschläge oder Banküberfälle, bei denen Schusswaffen verwendet wurden, einer neuen Bewertung unterzogen. In Betracht kämen Fälle, „bei denen ein rechtsextremer oder rechtsterroristischer Hintergrund nicht endgültig ausgeschlossen werden kann“. Wie viele Fälle einer erneute Analyse unterzogen werden, wollte LKA-Sprecher Federau nicht sagen.

Auch beim Verfassungsschutz sind rund zehn Beamte abgestellt, um alte Akten im Keller noch einmal auf mögliche Informationen über rechtsterroristische Strukturen in Niedersachsen zu überprüfen. Laut Sprecherin Maren Brandenburger wurde eine Ermittlungsgruppe beauftragt, Vorgänge der Vergangenheit minutiös aufzulisten. „Bisher gibt es keine neuen Hinweise, die in Richtung Rechtsterrorismus gehen“, sagte Brandenburger. Vorrangiges Ziel sei es allerdings, Informationsdefizite zwischen den Ländern sowie zwischen Polizei und Verfassungsschutz aufzudecken.

Bis heute beharrt die Bundesregierung in Berlin darauf, dass seit der Wiedervereinigung in Deutschland 48 Menschen von rechtsextremen Tätern ermordet wurden. Organisationen wie die Madeu-Antonio-Stiftung zählen dagegen 182 Opfer. Seit Jahren konfrontiert die Linksfraktion die Bundesregierung mit der Frage nach der Diskrepanz der Zahlen. Kommenden Donnerstag debattiert der Bundestag über eine Große Anfrage der Linken zu 90 Todesfällen, die nicht in der offiziellen Statistik auftauchen.

Der Bundesrat gedachte am Freitag in Berlin der Mordopfer des Terror-Trios und sprach sich für eine bessere Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Kampf gegen rechts aus.

Vivien-Marie Drews, Karl Doeleke und Maja Heinrich

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