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Deutschland / Welt Polizeiaufstand in Ecuador - Kongress-Gebäude gestürmt
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09:03 01.10.2010
Insgesamt 150 Soldaten hatten zunächst den Flughafen Mariscal Sucre der Hauptstadt Quito blockiert. Quelle: dpa
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Angesichts einer Meuterei tausender Polizisten hat der ecuadorianische Präsident Rafael Correa am Donnerstag den Ausnahmezustand über sein Land verhängt. Er soll zunächst für eine Woche gelten. Damit wurde dem Militär die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung übertragen, teilte das Präsidentenamt in Quito mit. Correa, der nach einer Rangelei mit demonstrierenden Polizisten in ein Krankenhaus gebracht wurde, sprach von einem Umsturzversuch.

Correa sprach vom „Versuch eines Staatsstreichs“. Die Polizisten, die gegen die Streichung von finanziellen Vergünstigungen protestieren, hatten sich am Donnerstag in einer Polizeikaserne der Hauptstadt Quito verbarrikadiert. Auch der Flughafen wurde von Sicherheitskräften besetzt. Aus verschiedenen Landesteilen berichteten die örtlichen Medien von Plünderungen. Correa befand sich nach einem Gerangel mit Demonstranten in einem Polizeikrankenhaus. Dort würden Unbekannte versuchen, in sein Zimmer vorzudringen, sagte er in einem Telefoninterview.

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Correa, der Umfragen zufolge großen Rückhalt in der Bevölkerung genießt, hatte noch versucht, die Meuterer umzustimmen. Dabei musste er aber unter dem Einsatz von Tränengas durch seine Leibwache in Sicherheit gebracht werden. Anschließend wurde der linksgerichtete Staatschef wegen Atembeschwerden infolge des Tränengases in das Polizeikrankenhaus in Quito gebracht. Von dort aus warf er in einem Telefoninterview der Opposition vor, die Krise durch Falschinformationen ausgelöst zu haben. Ecuador hat eine lange Geschichte von Umstürzen und die politischen Strukturen gelten als labil.

Etwa 1000 Polizisten hatten die größte Polizeikaserne der Hauptstadt Quito besetzt und sich dort verbarrikadiert. Eine unbekannte Zahl von Soldaten besetzte Medienberichten zufolge zudem die Start- und Landebahn des internationalen Flughafens der Hauptstadt. Dort hätten sie auch den Hangar mit dem Flugzeug und dem Hubschrauber des Präsidenten blockiert.

Ob es sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme oder um ebenfalls meuternde Soldaten handelte, war zunächst unklar. Der oberste Militär, General Luis González, stellte sich demonstrativ hinter den Staatschef. „Die Streitkräfte befolgen die Befehle des Oberbefehlshabers, des Präsidenten Rafael Correa“, sagte der General.

Correa betonte, während seiner Regierungszeit seien die Gehälter der Polizisten verdoppelt worden. Dennoch wurde er von meuternden Polizisten gestoßen und mit Wasser bespritzt. Dabei verlor er eine seiner Krücken, die er nach einer Knieoperation benötigt, und musste fast in ein bereit stehendes Auto getragen werden.

Ein Sprecher der Meuterer rief seine Kollegen auf, sich ruhig zu verhalten. Im Beisein mehrerer Polizeigeneräle forderte der Polizist Florencio Ruiz jedoch zugleich die Rücknahme eines Gesetzes, das die Streichung von Vergünstigungen und Beförderungen für Polizisten vorsieht.

Der für dramatische Gesten bekannte Staatschef hatte sich vor den johlenden Beamten die Krawatte vom Hals gerissen und das Hemd aufgeknöpft, um zu zeigen, dass er keine kugelsichere Weste trägt. „Wenn ihr den Präsidenten töten wollt, dann tötet ihn. Aber ich weiche nicht zurück“, sagte Correa. Vom Krankenhaus aus meinte er: „Sie können mich umbringen, aber es werden tausende weitere Revolutionäre kommen und das Vaterland verteidigen“. Vor dem Regierungssitz versammelten sich tausenden Anhänger der Regierung, die aufgerufen wurden, den Präsidenten aus dem Polizeikrankenhaus zu „retten“.

dpa/afp