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Deutschland / Welt Polizeischutz und Protest zur koptischen Weihnacht
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11:51 06.01.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Viele koptische Christen folgten am Donnerstag einem Aufruf christlicher Aktivisten und legten schwarze Trauerkleidung an, um an den Terroranschlag auf eine Kirche in Alexandria in der Silvesternacht zu erinnern.Einige junge Christen riefen außerdem zu Protesten während der Weihnachtsgottesdienste am späten Donnerstagabend auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekannte sich unterdessen zum Schutz christlicher Minderheiten in der ganzen Welt.

Aus dem Innenministerium hieß es, man sei nicht nur auf die Abwehr möglicher Terroranschläge vorbereitet, sondern auch auf mögliche Zusammenstöße zwischen protestierenden Christen und der Polizei. An dem Gottesdienst in der Markus-Kathedrale in Kairo, den Papst Schenuda III. leiten wird, will als Gast möglicherweise auch Gamal Mubarak teilnehmen. Der Sohn von Präsident Husni Mubarak wird als möglicher Nachfolger seines Vaters gehandelt.

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Die ägyptische Polizei ließ am Donnerstag in den staatlichen Medien ein grausiges Foto des nur noch teilweise vorhandenen Kopfes des mutmaßlichen Attentäters veröffentlichen, der in der Silvesternacht 23 Menschen getötet hatte. Der schwarzhaarige Mann, dessen Gesicht zur Hälfte weggesprengt worden war, soll etwa 25 Jahre alt sein. Außerdem wurde ein Bild abgedruckt, auf dem ein von Experten der Polizei rekonstruiertes vollständige Gesicht des Mannes zu sehen ist. Die von ihm gezündete Bombe hatte er nach Angaben des Innenministeriums in einer Art Schultasche versteckt. Der Sprengsatz soll etwas mehr als 20 Kilogramm schwer gewesen sein.

Der frühere Direktor der Ermittlungsbehörde der Polizei von Alexandria, General Refaat Abdulhamid sagte der Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ er gehe davon aus, dass der Anschlag auf die Kirche von zwei Selbstmordattentätern verübt worden sei, die während der Operation von einem dritten Mann Anweisungen erhalten hätten. Die Spurensicherung am Tatort habe gezeigt, dass nicht nur eine Bombe explodiert sei, sondern zwei. Auch mehrere Augenzeugen hatten von zwei Explosionen berichtet.

Bundeskanzlerin Merkel sprach sich für den Schutz christlicher Minderheiten aus. „Glaubens- und Religionsfreiheit sind ein essenzieller Wert, ein Kernwert der deutschen Außenpolitik“, sagte die CDU-Vorsitzende der „Passauer Neuen Presse“. „Dass Leib und Leben von Minderheiten weltweit geschützt werden, auch der christlichen Minderheiten in zahlreichen Ländern, ist für uns ein zentrales Anliegen.“

Merkel weiter: „Es ist keine kulturelle, westliche, europäische, christliche Anmaßung, dass wir unsere Werte und Freiheitsrechte für universal gültig halten.“ Fast alle Staaten seien Mitglied der Vereinten Nationen und hätten die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte anerkannt. Kein kultureller Unterschied könne die Missachtung dieser Rechte rechtfertigen. „Wenn wir selbstbewusst zu unseren Werten stehen, verschafft uns das weltweit mehr Respekt und Anerkennung, als wenn wir es nur verschämt tun“, fügte Merkel hinzu.

dpa