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Deutschland / Welt Denkmal für NS-Deserteure in Wien enthüllt
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17:57 24.10.2014
Ein Blick auf das Denkmal für NS-Deserteure in Wien auf dem Ballhofplatz während der Eröffnungsfeier. Das Denkmal, das Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet wird, ruft den Umgang der Alpenrepublik mit seiner Vergangenheit als Teil des NS-Regimes in Erinnerung.
Ein Blick auf das Denkmal für NS-Deserteure während der Eröffnungsfeier in Wien. Das Denkmal, das Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer eröffnet wird, ruft den Umgang der Alpenrepublik mit seiner Vergangenheit als Teil des NS-Regimes in Erinnerung. Quelle: Georg Hochmuth
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Wien

Österreich hat den Deserteuren der Wehrmacht ein prominentes Denkmal gesetzt. Die vom deutschen Bildhauer Olaf Nicolai entworfene dreistufige Treppenskulptur in Form eines „X“ wurde am Freitag am Wiener Ballhausplatz - dem Machtzentrum der Alpenrepublik - enthüllt. Die sei ein „politisch, historisch, menschlich und moralisch“ wichtiger Akt des Gedenkens an die Opfer der NS-Militärjustiz, sagte Bundespräsident Heinz Fischer. Dabei betonte er den Unterschied zwischen der Desertion aus der Armee des Nazi-Regimes und aus Armeen von Rechtsstaaten. „Es ist ehrenhaft, in der Auseinandersetzung mit einer brutalen und menschenverachtenden Diktatur seinem Gewissen zu folgen.“

Die NS-Militärrichter hatten während des Zweiten Weltkriegs rund 30 000 Todesurteile gegen Deserteure, Kriegsdienstverweigerer und Selbstverstümmler ausgesprochen. Darunter waren auch etwa 2000 Österreicher.

Dass Österreich erst 70 Jahre nach Kriegsende die Opfergruppe der Deserteure und Kriegsdienstverweigerer ehre und sie lange als „Verräter“ abgestempelt habe, sei sehr bedauerlich, sagte Fischer. „Das ist etwas, wofür man sich entschuldigen und schämen muss.“ Zur Eröffnung sprach auch der inzwischen 92-jährige Deserteur Richard Wadani. Er habe 1944 seinen Wechsel auf die Seite der Alliierten als „Moment der Befreiung“ erlebt, schilderte er.

Der Anstoß für das Projekt war vom „Personenkomitee Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz“ gekommen, unterstützt unter anderem von Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, dem Schriftsteller Josef Hader oder dem Künstler André Heller. Die rot-grüne Wiener Landesregierung hatte die Idee ins Koalitionsprogramm aufgenommen.

Auf der Skulptur stehen die Worte „all/alone“ aus einem Gedicht des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay. Sie sollen auf den Konflikt des Einzelnen mit der Masse hinweisen. In Deutschland sind seit den 1980er Jahren etwa 30 Deserteurs-Denkmäler und Gedenktafeln aufgestellt worden. Viele von ihnen sind eher unscheinbar gelegen.

dpa