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Deutschland / Welt Protestbewegungen: Wird Luisa Neubauer die deutsche Greta Thunberg?
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10:55 04.03.2019
Die deutsche Klimaaktivistin Luisa Neubauer (l) und die schwedische Vorreiterin Greta Thunberg vor dem Streik in Hamburg. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Berlin

Im Sommer vergangenen Jahres hat Greta Thunberg begonnen mit ihren Streiks. Die 16-Jährige demonstrierte in Stockholm für mehr Klimaschutz und für die Zukunft ihrer Generation. Seitdem ist die schwedische Schülerin zum Gesicht einer jungen Bewegung geworden, die immer stärker anwächst.

Thunbergs Protest findet längst auch in Deutschland seine Anhänger. Freitag für Freitag gehen Tausende Schülerinnen und Schüler nicht in die Schule, sondern auf die Straße. In Hamburg, Berlin, Göttingen, Aachen, Bremen, Duisburg, Eisenach, Münster, Würzburg. Und auch hier in Deutschland gibt es mittlerweile ein Gesicht, das mit dieser Bewegung in Verbindung gebracht wird: Luisa Neubauer, 22 Jahre alt, Bachelor-Studentin an der Uni Göttingen.

Brauchen Protestbewegungen immer ein Gesicht, das sie auf Bühnen, vor TV-Kameras, in den sozialen Medien repräsentieren? Wer sind die Menschen, die es schaffen, Tausende zu mobilisieren?

Nicht nur bei den aktuellen Schülerprotesten #FridaysforFuture gibt es diese Personen, die herausstechen. Auch bei früheren Großdemos und Protestbewegungen gibt es Gesichter, die sie repräsentieren. Ein Überblick:

Greta Thunberg und Luisa Neubauer für #FridaysforFuture

Luisa Neubauer und Greta Thunberg lernten sich Ende 2018 auf der Klimakonferenz im polnischen Katowice kennen. Luisa war als Jugendbeobachterin eingeladen, wie die „Zeit“ auf ihrer Webseite schreibt. Greta hielt eine Rede, die besonders im Netz für Aufsehen sorgte.

Greta Thunberg soll mit acht Jahren das erste Mal vom Klimawandel und der Erderwärmung gehört haben, so liest man es immer wieder. Das Thema ließ sie nicht mehr los. Mit elf Jahren soll sie plötzlich aufgehört haben, zu reden und essen – aus Betroffenheit und Sorge über den Zustand unseres Planeten. Thunberg leidet am Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, über die sie offen spricht. Sie sehe die Welt in schwarz und weiß. So sei es auch bei der Klimapolitik: nur schwarz und düster. Dieser kompromisslose Blick ist wohl auch einer der Gründe für die Vehemenz, mit der sie ihr Anliegen vorantreibt.

Mit 15 Jahren, im Mai 2018, gewann Greta Thunberg einen Schreibwettbewerb der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“ zur Umweltpolitik. Nachdem ihr Text veröffentlicht wurde, erhielt sie viele Rückmeldungen. Ein Klimaaktivist soll sie mit anderen jungen Aktivisten vernetzt haben, heißt es – und so sei die Idee der Schulstreiks entstanden. Am 20. August 2018 protestierte Thunberg zum ersten Mal vor dem Reichstag in Stockholm und hörte seit dem nicht mehr damit auf.

Lesen Sie hier den Kommentar: Klimademos nach der Schule wären allen egal

Ihr Beispiel mobilisiert Tausende Schülerinnen und Schülern in Europa –auch Luisa Neubauer ließ sich von der Bestimmtheit der 16-jährigen Vorkämpferin anstecken.

Unter dem Motto #FridaysForFuture haben in Hamburg Tausende junge Menschen für stärkere Klimaschutzbemühungen demonstriert.

Die 22-Jährige wollte die Streiks nach Deutschland bringen, nachdem sie Thunberg in Katowice erlebt hatte. „Mir war von Anfang an klar, dass man den Schulstreik in Deutschland ganz anders aufziehen muss“, zitiert die „Zeit“ Luisa Neubauer. Wenige Wochen nach dem ersten Schülerstreik in Berlin demonstrierten fast 10.000 Schüler und Studenten vor dem Wirtschaftsministerium.

Noch zu Schulzeiten hatte Neubauer einen Debattierwettbewerb zu Plastiktüten und Fracking gewonnen. Nach der Schule schrieb sie für das „Greenpeace Magazin“ über Umweltthemen und sprach als Jugendbotschafterin für die Organisation „ONE“ mit Politikerinnen und Politikern. Neubauer machte Kampagnenarbeit bei der Klimaschutzorganisation „Fossil Free Deutschland“ und verfasste im Oktober 2018 einen offenen Brief gegen das Vorgehen des Energiekonzerns RWE im Hambacher Wald. So wurde sie in der Klimaszene bekannt.

Lukas Theune für #Unteilbar

Andere Demo, anderes Thema, gleiche Zeit. Im Oktober 2018 fand in Berlin eine andere Demonstration statt, die ebenfalls Tausende Menschen auf die Straße brachte. Die Kundgebung richtete sich unter dem Titel „Unteilbar“ gegen Rassismus und Ausgrenzung und trat für eine „offene und freie Gesellschaft“ ein – so das Motto der Aktion. Anders als bei den Schülerstreiks stand hinter „Unteilbar“ ein großes Bündnis von bundesweiten ebenso wie von lokalen Organisationen - und prominenten Persönlichkeiten. Allein die Liste der Erstunterzeichner umfasst 438 Einträge.

Nach Angaben der Polizei demonstrierten rund 100.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 240.000 Demonstranten. Eines der zentralen Gesichter von „Unteilbar“ war Lukas Theune, 31 Jahre alt und Rechtsanwalt in Berlin. Er war auch derjenige, der die Demo offiziell anmeldete.

Über die Gründe, warum er sich für diese Demo einsetzt, sagte Theune der Tageszeitung „taz“: „Wenn ich an die Situation auf dem Mittelmeer denke, wo Rettungsschiffe beschlagnahmt werden, oder an Chemnitz, dann ist klar, dass etwas geschehen muss. Rechte schaffen es mit ihren Aktionen, über Wochen die Schlagzeilen einzunehmen und die Politik vor sich herzutreiben.“ Dem wollte er etwas entgegensetzen. Theune wünschte sich „ein Signal, dass die Mehrheit der Gesellschaft woanders steht“. In dem „Unteilbar“-Bündnis sei schnell klar gewesen, dass einer der beteiligten Anwälte die offizielle Anmeldung der Demo übernehme.

Theune, der in Berlin aufgewachsen ist, studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin. Seit 2015 ist er zugelassener Rechtsanwalt. Öffentlich bekannt wurde Theune als Anwalt der linksradikalen Hausgemeinschaft in der Rigaer Straße 94 in Berlin. Im Sommer 2016 erwirkte er nach „taz“-Angaben eine Entscheidung, die die vorherige polizeiliche Räumung eines Treffpunkts von Autonomen, die „Kadterschmiede“, für rechtswidrig erklärte. Theune verteidigt demnach auch kurdische Mandanten, denen etwa eine Verbindung zur PKK nachgesagt wird. Im September 2018 meldete er bereits die Demonstration gegen den Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan an.

Ingrid Levavasseur für die „Gelbwesten

Oktober 2018 – auch für die Gelbwestenin Frankreich war dieser Zeitpunkt der Startschuss. Vor allem über die sozialen Medien organisierte sich die Protestbewegung, die seitdem Frankreich in Atem hält. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Ausschreitungen, die viele Verletzte nach sich ziehen.

Aktivistin Ingrid Levavasseur bei Protesten der "Gelbwesten"-Bewegung Quelle: Julien Mattia/Le Pictorium Agency via ZUMA/dpa

Auslöser der Wut, die sich auf Frankreichs Straßen entlädt, war ursprünglich eine von Präsident Emmanuel Macron geplante höhere Sprit-Besteuerung. Die Belange weiteten sich unter anderem auf Steuersenkungen und die Anhebung des Mindestlohns und der Renten aus.

Zum Gesicht der Bewegung wurde Ingrid Levavasseur – gelbe Weste, rote Haare. Die Krankenpflegerin gilt als eine der Gründerinnen der Bewegung. Auf ihrem Facebook-Profil zeigt sie sich mit wehender Frankreich-Fahne. Sie will das Land revolutionieren – das ist die Botschaft.

Die 31-Jährige ist selbst von den sozialen Nöten betroffen, die die „Gelbwesten“ verbindet. Ihr Lohn als Krankenpflegerin ist zu knapp. Als alleinerziehende Mutter – Levavasseur ist Mutter von zwei Töchtern – ist ihre Lage besonders prekär. Sie will beispielsweise geringere Steuern auf Grundnahrungsmittel durchsetzen.

Die 31-Jährige kündigte mittlerweile an, mit einer eigenen Liste zur Europawahl am 26. Mai kandidieren zu wollen. Die Liste trägt den Namen „Rassemblement d’initiative citoyenne“.

Von Jana Wolf/RND

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