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Deutschland / Welt Proteste gegen Regierung nach Grubenunglück
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10:49 18.05.2014
Foto: Friedliche Proteste sind es nicht: In Soma setzte die am Sonnabend Polizei Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben.
 Friedliche Proteste sind es nicht: In Soma setzte die am Sonnabend Polizei Wasserwerfer ein, um die Demonstranten auseinanderzutreiben Quelle: Ulas Yunus Tosun
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Soma/Istanbul

Vier Tage nach dem schwersten Grubenunglück in der Geschichte der Türkei hat die Regierung die Suche nach Opfern für beendet erklärt. „Es gibt keine Vermissten mehr“, sagte Energieminister Taner Yildiz am Sonnabendabend. Am Nachmittag seien die letzten beiden Leichen aus dem Kohlebergwerk geborgen worden. Die Zahl der Toten liege damit bei 301. 485 Kumpel hätten die Katastrophe vom Dienstag überlebt. Die Suche nach Überlebenden sei „ein Rennen gegen die Zeit“ gewesen. Den Angehörigen der Opfer sagte Yildiz Hilfe zu. Die Ursache des Unglücks werde weiter untersucht.

Das weltweit schwerste Grubenunglück seit fast 40 Jahren hat wütende Proteste gegen die Regierung ausgelöst, der Kritiker eine Mitschuld an der Katastrophe geben. Nach den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei am Freitag in Soma dauerten die Spannungen dort am Sonnabend an. Augenzeugen berichteten, zwischen 50 und 100 Menschen hätten sich geweigert, ihre Versammlung aufzulösen. Nach einem Wortgefecht hätten Polizisten einige Menschen geschlagen und mehrere festgenommen.

Auch in der Metropole Istanbul ging die Polizei am Abend gewaltsam gegen Demonstranten vor. Die Sicherheitskräfte setzten auf der zentralen Einkaufsmeile Istiklal Caddesi Wasserwerfer und Tränengas ein, wie dpa-Reporter berichteten. Hunderte Demonstranten forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung wegen des verheerenden Grubenunglücks. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, schärfere Sicherheitskontrollen verhindert zu haben.

Für zusätzliche Brisanz sorgten Vorwürfe, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan habe bei einem Besuch in Soma am Mittwoch einen Mann geohrfeigt, der ihn ausgebuht habe. Das von Regierungskritikern als Beleg für den Vorfall gewertete Video ist in der entscheidenden Sequenz allerdings so verwackelt, dass Erdogans Verhalten nicht klar zu erkennen ist. Erdogans Partei AKP wies die Vorwürfe zurück.

Erdogan war bei seinem Besuch in Soma am Mittwoch von einer Menschenmenge ausgebuht und ausgepfiffen worden. Der Ministerpräsident hatte unter anderem die schlechte Sicherheitsbilanz der Kohlebergwerke in der Türkei heruntergespielt und gesagt: „Solche Unfälle passieren ständig.“ Für Empörung hatte auch Erdogan-Berater Yusuf Yerkel gesorgt, der bei dem Besuch auf einen am Boden liegenden Demonstranten eintrat. Yerkel entschuldigte sich inzwischen.

US-Präsident Barack Obama bot der Türkei Hilfe an. In einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül drückte Obama sein Beileid aus. Welche Hilfe genau er dem Land zukommen lassen wollte, blieb in einer Mitteilung des Weißen Hauses jedoch zunächst unklar.

Aus der Unglückszeche trat am Sonnabendmittag weiterhin Rauch aus, wie ein dpa-Reporter aus Soma berichtete. Im strömenden Regen fanden weiter Beerdigungen der vielen Toten statt.

Politiker von CDU, SPD, CSU und Grünen kritisierten derweil einen für kommenden Samstag (24. Mai) in Köln geplanten Auftritt Erdogans. Forderungen nach einer Absage der Großveranstaltung wurden laut.

Erdogans Partei AKP betonte, der Auftritt in Köln sei keine Wahlkampfveranstaltung, sondern würdige das zehnjährige Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD). Kritiker gehen jedoch davon aus, dass Erdogan türkischer Präsident werden und in Köln um Stimmen werben will. An der Präsidentenwahl am 10. August dürfen erstmals auch die im Ausland lebenden Türken teilnehmen.

dpa/mhu

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