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Deutschland / Welt Prüfungen im AKW Krümmel nach erneuter Panne
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12:19 02.07.2009
Die Ursachenforschung nach der erneuten Panne im Atomkraftwerk Krümmel läuft auf Hochtouren.
Die Ursachenforschung nach der erneuten Panne im Atomkraftwerk Krümmel läuft auf Hochtouren. Quelle: ddp
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Der Atommeiler ist unterdessen seit Mittwochabend wieder mit halber Leistung am Netz.

Nach Angaben des für Atomaufsicht zuständigen Kieler Sozialministeriums wollen die Experten unter anderem die genauen Abläufe der Turbinenabschaltung in technischer Hinsicht und mit Blick auf die Handlungen des Personals untersuchen. Außerdem geht es um die Frage einer möglichen Übertragbarkeit des Schadens auf den zweiten Eigenbedarfs-Transformator. Die Auswertung wird voraussichtlich mehrere Tage dauern.

Fristgerecht habe Betreiber Vattenfall Europe der Atomaufsicht am Donnerstagmorgen einen Bericht über den Vorfall übermittelt, wie ein Ministeriumssprecher sagte. Diesen hatte Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) zuvor in einem Telefonat von Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka angefordert. Ersten Auswertungen zufolge wurde im Zuge der Turbinenabschaltung vom bestimmungsgemäßen Verlauf abgewichen. Demnach wurde „der Regler der Speisewasserpumpe RL13 D101 durch die Gleichlaufüberwachung der drei Speisewasserpumpen automatisch auf Hand geschaltet (wurde), so dass der Füllstand im Reaktor von Hand geschaltet wurde“.

Am Mittwochnachmittag war es bereits zur zweiten Panne nach dem Wiederanfahren gekommen. Nach Betreiberangaben schaltete sich die Turbine nach dem Ausfall eines Eigenbedarftransformators automatisch ab. Anschließend wurde der Reaktor zwischenzeitig „auf ein niedriges Leistungsniveau heruntergefahren“. Seit Mittwochabend um 19.15 Uhr ist das AKW Krümmel wieder am Netz.

Derzeit laufe der Reaktor nur mit einem Maschinentransformator auf halber Kraft, sagte Vattenfall-Sprecherin Barbara Meyer-Bukow. Der ausgefallene Transformator werde derzeit untersucht. Die Ursache für den Ausfall sei weiter unklar. Der Reaktor laufe bis dahin weiter nur mit 50 Prozent Leistung.

Laut Atomaufsicht ist bei Ausfall eines Eigenbedarfs-Transformators der Betrieb des Reaktors mit verminderter Leistung (bis rund 65 Prozent) erlaubt. Sofern keine anderen Gründe vorliegen, bestehe rechtlich keine Handhabe, die Anlage vom Netz zu nehmen.

Nach fast zweijährigem Stillstand hatte die Atomaufsicht am 19. Juni das Wiederanfahren der Anlage genehmigt. Davor war der Reaktor nach einem Transformatorbrand und einem dadurch verursachten Störfall ab dem 28. Juni 2007 sowie mehrerer Pannen knapp zwei Jahre vom Netz. Seit Mitte vergangener Woche lief der Siedewasserreaktor wieder im Volllastbetrieb. Wenige Tage nach dem Wiederanfahren hatte es bereits einen Defekt an einem Elektronikteil für eine Reaktorschutzmaßnahme gegeben.

ddp