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Deutschland / Welt Pussy Riot hofft auf Unterstützung Chodorkowskis
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Pussy Riot hofft auf Unterstützung Chodorkowskis
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11:20 26.12.2013
Die aus dem Straflager entlassenen Frauen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot wollen mit dem Ex-Gefangenen Michail Chodorkowski gemeinsam für die Menschenrechte kämpfen. Quelle: dpa
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Moskau

Die aus dem Straflager entlassenen Frauen der kremlkritischen Punkband Pussy Riot wollen mit dem Ex-Gefangenen Michail Chodorkowski gemeinsam für die Menschenrechte kämpfen. „Es wäre für uns eine große Ehre, wenn wir irgendwelche Schnittpunkte in der Menschenrechtsarbeit fänden“, schrieben die Aktivistinnen Nadeschda Tolokonnikowa (24) und Maria Aljochina (25) in einem Brief an den 50-Jährigen. Die Frauen hatten zuvor angekündigt, für bessere Haftbedingungen in Russland kämpfen zu wollen. Sie reisten am Donnerstag von Tolokonnikowas Haftort im sibirischen Krasnojarsk zurück nach Moskau.

Der von Kremlchef Wladimir Putin am vergangenen Freitag begnadigte Chodorkowski hatte bisher nur erklärt, sich für die Freilassung anderer politischer Gefangener in seinem Land einsetzen zu wollen. Eine politische Arbeit oder Unterstützung der Opposition lehnte er ab. Unklar war auch, ob und wann er nach Russland zurückkehren kann. Chodorkowski hält sich mit seiner Familie in Berlin auf. Tolokonnikowa kündigte an, ihre Organisation für Gefangene in Russland „Sona Prawa“ (deutsche: Rechtszone) nennen zu wollen. Sie war mit Aljochina am Montag im Zuge einer Amnestie freigekommen. Beide Frauen hatten unmenschliche Haftbedingungen beklagt. Die beiden Aktivistinnen wollen sich an diesem Freitag auf einer Pressekonferenz in Moskau noch einmal zu ihren Plänen äußern.

Chodorkowski hatte die vorzeitige Haftentlassung der zwei Aktivistinnen von Pussy Riot gelobt. „Die Freilassung von politischen Gefangenen macht die Machthaber wenigstens ein bisschen humaner“, erklärte der 50-Jährige auf seiner Internetseite. „Ich weiß, dass die vergangenen Monate für Sie eine echte Hölle waren“, hieß es in der Mitteilung des früheren Putin-Kritikers.
 Im Gegensatz zu den Künstlerinnen hatte Chodorkowski sich von Putin begnadigen lassen. Tolokonnikowa und Aljochina hatten ein Gnadengesuch abgelehnt. Die wegen Rowdytums verurteilten Aktivistinnen kamen nun im Zuge einer Massenamnestie frei - vor ihrem Haftende im März. Sie hatten im vergangenen Jahr in einer Kirche gegen Putins „autoritäres System“ protestiert und waren danach in Haft gekommen.
 „Und bin froh zu erfahren, dass die Misshandlung, die eines europäischen Landes des 21. Jahrhunderts unwürdig ist, nun beendet ist», hieß es in Chodorkowskis Mitteilung. „Das Wichtigste ist jetzt wahrscheinlich, in sich selbst die Kraft zu finden, um im Herzen nicht Hass und Bitterkeit zu bewahren nach diesen schweren Prüfungen der Gefängnishaft.“

dpa

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