Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Rebellen erobern Versorgungsroute
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Rebellen erobern Versorgungsroute
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:07 30.07.2012
Noch immer kämpfen in Syrien Rebellen und Truppen des Regimes um die Vorherrschaft im Land. Quelle: dpa
Anzeige
Damaskus

Im Kampf um die Millionenmetropole Aleppo haben syrische Rebellen nach eigenen Angaben erstmals eine direkte Straßenverbindung zum Nachbarn Türkei eingenommen. Die Aufständischen eroberten am Montag eine strategische Anhöhe im Nordwesten von Aleppo, auf der sich bislang ein Kontrollpunkt der Regimetruppen befunden hatte. Das sagte der örtliche Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur. Über die 50 Kilometer lange Route Richtung Türkei könnten nun Kämpfer und Nachschub transportieren werden.

Das türkische Militär verlegte an drei Stellen Truppen, Panzer und Raketenwerfer an die syrische Grenze, wie die Agentur Anadolu am Montag meldete. Syrische Regierungstruppen griffen den dritten Tag in Folge Stellungen der Aufständischen in der nördlichen Metropole an. Die Stadtbezirke Salaheddin und Al-Sukkari wurden bombardiert, in Salaheddin, Al-Issa und Athamija tobten darüber hinaus heftige Kämpfe am Boden, wie die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mitteilten. Die schwersten Kämpfe seit Beginn der Proteste lösten eine massive Flüchtlingswelle aus. Rund 200.000 Menschen sind nach Schätzungen von Rotem Kreuz und Rotem Halbmond in den vergangenen Tagen aus Aleppo geflohen.

Anzeige

Über erste mögliche Erfolge der Regimetruppen im südwestlichen Salaheddin kursierten widersprüchliche Berichte. „Salaheddin wurde vollständig zurückgewonnen“, zitierte das staatliche syrische Fernsehen einen hochrangigen Militär. Die Aufständischen bestritten dies vehement. „Die Behauptung entbehrt jeder Grundlage“, sagte der Rebellenkommandeur Al-Halebi. Die Regimetruppen hätten erneut versucht, Salaheddin mit Panzern anzugreifen, seien aber zurückgeschlagen worden.

Das Militär von Präsident Baschar al-Assad hatte am Samstag eine Großoffensive gegen die Stellungen der Aufständischen in Aleppo gestartet. Die Kontrolle über die Handels- und Geschäftsmetropole gilt als entscheidend für die Erfolgsaussichten der Revolte gegen das Assad-Regime, die seit 16 Monaten anhält.

Wegen der schweren Kämpfe flohen nach Schätzungen von Hilfsorganisationen in den vergangenen Tagen 200.000 Menschen aus Aleppo. Viele der knapp zwei Millionen Einwohner dürften aber noch in der umkämpften Stadt festsitzen. „Niemand weiß, wie viele Menschen an Orten gefangen sind, an denen die Kämpfe weitergehen“, erklärte die UN-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos am Sonntag (Ortszeit) in New York. Sie forderte die Truppen des Assad-Regimes und die Aufständischen auf, Zivilisten zu verschonen und Helfern sicheren Zugang zu gewähren.

Aktivisten in Aleppo teilten mit, dass bei den Kämpfen am Montag mindestens zehn Regierungssoldaten getötet wurden. Bei militärischen Zusammenstößen in anderen Landesteilen starben nach Darstellung der Menschenrechtsbeobachter in London mindestens fünf Menschen. Am Sonntag waren nach diesen Informationen in ganz Syrien 150 Menschen getötet worden, unter ihnen 45 Soldaten.

dpa

Mehr zum Thema
Deutschland / Welt Bürgerkrieg in Syrien - Aleppo steht unter Feuer

In Aleppo könnte sich der bewaffnete Aufstand gegen das Regime von Präsident Assad entscheiden. Die Wirtschaftsmetropole gilt als ein Schlüssel zur Macht in dem seit nun fast 17 Monaten andauernden blutigen Konflikt. Entsprechend verbissen wird um sie gekämpft.

29.07.2012

In Aleppo wird die „Mutter aller Schlachten“ erwartet. Der Westen befürchtet ein Massaker. UN-Generalsekretär Ban fordert das Assad-Regime zur Einstellung der Angriffe auf.

28.07.2012

Die Millionenmetropole Aleppo steht womöglich vor entscheidenden Kämpfen. Die USA warnen vor einem Massaker in der Stadt. Auch in Damaskus kam es wieder zu Gefechten.

27.07.2012