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Deutschland / Welt Rebellen greifen Parlament in Tschetschenien an
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14:27 19.10.2010
Sturm auf das Parlament in Tschetschenien: Bei einem Angriff von Untergrundkämpfern sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen.
Sturm auf das Parlament in Tschetschenien: Bei einem Angriff von Untergrundkämpfern sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Quelle: dpa
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Schwer bewaffnete Terroristen haben das Parlament der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien angegriffen und mindestens drei Menschen getötet. 17 weitere wurden bei der Attacke am Dienstag verletzt. Auch die mutmaßlichen Islamisten starben. Sie seien alle „liquidiert“ worden, sagte der kremltreue Republikchef Ramsan Kadyrow nach Angaben der Agentur Interfax. Der Angriff im Zentrum der Hauptstadt Grosny ist nach Einschätzung von Experten ein schwerer Rückschlag für den Kreml, der die einstige Bürgerkriegsregion nach eigenen Angaben befriedet hat.

Die Angreifer seien am Morgen in das Gebäude gestürmt, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin. Zu dem Zeitpunkt hätten sich wegen einer Sitzung viele Abgeordnete in dem Gebäude aufgehalten.

Die Angreifer töteten mindestens zwei Polizisten sowie den Hausmeister des Parlaments und nahmen Geiseln. Einem Bericht zufolge sprengten sich drei Selbstmordattentäter auf dem Gelände in die Luft, als sich die Sicherheitskräfte näherten. Kremlchef Dmitri Medwedew wurde im französischen Deauville über den Angriff informiert, wo er sich mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel traf.

Die Außenbeauftragte der Europäischen Union, Catherine Ashton, verurteilte den Anschlag. „Wir bestätigen unsere Bereitschaft, unsere Zusammenarbeit mit Russland im Kampf gegen den Terrorismus zu verstärken“, sagte sie einer Mitteilung zufolge in Brüssel. Der Präsident des Europaparlaments, Jerzy Buzek, rief Russland auf, in Tschetschenien wieder für Rechtsstaatlichkeit zu sorgen. Kritiker werfen der Führung um Kadyrow Mord und Unterdrückung von unliebsamen Menschenrechtlern, Journalisten und Oppositionellen vor.

Die Angreifer gelangten mit ihrem Wagen unbemerkt und vermutlich in einer Kolonne mit den Autos der Abgeordneten auf das Gelände. Die Leitung des Parlaments und alle Abgeordneten wurden mit gepanzerten Fahrzeugen in Sicherheit gebracht.

Eine Sondereinheit der Polizei untersuchte das Gebäude auf Minen. Der russische Innenminister Raschid Nurgalijew lobte den Einsatz der Behörden als professionell. Die Lage im muslimisch geprägten Tschetschenien sei stabil, behauptete Nurgalijew. Der Kreml hatte den Anti-Terror-Kampf in der Teilrepublik bereits vor längerem für beendet erklärt und etwa 20.000 Sicherheitskräfte abgezogen.

In den angrenzenden Konfliktgebieten Dagestan und Inguschetien sind aber weiterhin tausende Polizisten, Soldaten und Sondereinheiten stationiert. Sie liefern sich immer wieder Gefechte mit Separatisten, die ein von Moskau unabhängiges islamistisches „Emirat“ im Kaukasus errichten wollen.

Es war die zweite große Attacke in Tschetschenien innerhalb von nur zwei Monaten. Ende August hatten bis zu 60 Terroristen Kadyrows Heimatdorf angegriffen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

dpa

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