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Deutschland / Welt Rechtsextremist Griffin wirft BBC getürkte Sendung vor
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Rechtsextremist Griffin wirft BBC getürkte Sendung vor
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18:54 23.10.2009
„Das war keine authentische ’Question Time’, das war Lynchjustiz“, kommentierte Griffin am Freitag seinen TV-Auftritt. Quelle: afp
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Die BBC habe das Format der Sendung „Question Time“ geändert, um ihn in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, sagte Griffin am Freitag. Etwa acht Millionen Menschen verfolgten die Sendung, die von heftigen Protesten begleitet wurde.

„Das war keine authentische ’Question Time’, das war Lynchjustiz“, sagte der Chef der British National Party (BNP) vor Journalisten. Das Publikum sei aus einer Stadt, London, rekrutiert worden, die von weißen Menschen „ethnisch gesäubert“ und wegen der vielen Zuwanderer „nicht mehr britisch“ sei. Etliche Zuschauer hatten während der am Donnerstagabend aufgezeichneten und im Anschluss ausgestrahlten Sendung mit wütenden Zwischenrufen ihrem Unmut über Griffins Äußerungen Ausdruck verliehen.
Griffin kündigte an, gegen die BBC eine Beschwerde einzureichen und forderte, die Sendung erneut aufzuzeichnen. Seinen Auftritt bewertete Griffin „angesichts der Umstände“ als „ganz gut“. Die BNP erklärte auf ihren Internetseiten, seit der ausgestrahlten Debatte hätten sich 3000 Menschen über eine Parteimitgliedschaft informiert.

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Nach Angaben der BBC verfolgten etwa acht Millionen Fernsehzuschauer die Sendung, fast dreimal so viele wie sonst. Der nervös wirkende Griffin verwickelte sich in der einstündigen Sendung bei der Beantwortung der Frage, ob er jemals den Holocaust geleugnet habe, in Widersprüche. Den rassistischen US-Geheimbund Ku-Klux-Klan bezeichnete der 50-Jährige als „beinahe absolut gewaltfrei“ und behauptete, der Islam rechtfertige das Töten von Juden und die Steinigung von vergewaltigten Frauen. Homosexualität bezeichnete er als „gruselig“.

Etwa 500 Menschen hatten vor dem Londoner BBC-Studio, in dem die Sendung aufgezeichnet wurde, demonstriert. Bei Zusammenstößen zwischen einigen Demonstranten und der Polizei wurden vor dem BBC-Sitz nach Behördenangaben drei Beamte verletzt. Laut Polizei drangen außerdem etwa 30 Demonstranten in das Gebäude ein, sechs wurden festgenommen.

Die Einladung der BBC an Griffin hatte eine hitzige Debatte ausgelöst. Der für Wales zuständige Minister Peter Hain hatte den öffentlich-rechtlichen Sender in einem Brief aufgefordert, die Einladung rückgängig zu machen. Der stellvertretende BBC-Chef Mark Byford erklärte dagegen, mit der Einladung an Griffin komme der Sender seiner Pflicht nach, unparteiisch zu sein. Die BNP führte in der britischen Politik-Landschaft lange eine Randexistenz, bei den Europawahlen im Juni kam sie aber mit Parolen wie „Britische Jobs für britische Arbeiter“ auf mehr als sechs Prozent der Stimmen.

afp