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Deutschland / Welt Rösler will junge Mediziner aufs Land locken
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22:56 06.04.2010
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler
Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler Quelle: dpa
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Eine solche Landarztquote, auf die sich Bundesländer untereinander einigen müssten, ist jedoch umstritten. In der Union gibt es überwiegend Zustimmung, ablehnend bis skeptisch äußerten sich der Ärzteverband Hartmannbund und die SPD.

Während die Ärzteversorgung in den Ballungsräumen in Deutschland als ausgezeichnet gilt – mit 390 Ärzten je 100.000 Einwohner liegt das Land weit über dem internationalen Durchschnitt – herrscht auf dem Land zum Teil besorgniserregender Ärztemangel. Viele Landärzte sind zudem bereits im Pensionsalter.

Rösler schlägt eine Kombination von Gegenmaßnahmen vor: Den Notendurchschnitt als Zugangsvoraussetzung zum Medizinstudium (Numerus clausus) abschaffen. Außerdem sollten Kommunen und Kassenärztliche Vereinigungen in unterversorgten Gebieten eigene Praxen betreiben können, in denen Ärzte zunächst als Angestellte arbeiten.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Ulrike Flach sagte, um mehr Studienplätze zu schaffen, könnte der Bund ein Sonderprogramm über einige Jahre vorab finanzieren, das dann in die Trägerschaft der Länder übergehe. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Kuno Winn, nannte es zu teuer, „ein ausblutendes System so lange per ,Druckbetankung‘ mit Medizinstudierenden aufzufüllen, bis schließlich eine ausreichende Zahl ausgebildeter Ärzte im System verbleibt“.

Die SPD-Gesundheitsexpertin Carola Reimann nannte Röslers Vorschlag gegenüber dieser Zeitung „allzu schlicht“. Richtig sei es, die Zulassungskriterien fürs Medizinstudium zu prüfen. „Aber wichtiger ist es, über Studieninhalte und eine stärkere Berücksichtigung der Allgemeinmedizin nachzudenken“, sagte Reimann. Während eine Sprecherin von Niedersachsens Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann betonte, derzeit gebe es in Niedersachsen keinen Ärztemangel, sieht die Braunschweiger Abgeordnete Reimann dringenden Handlungsbedarf. Derzeit liege Niedersachsen mit 678 unbesetzten Arztstellen im Ländervergleich an der Spitze.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) zeigte Sympathie für Röslers Pläne, betonte aber, dass der Numerus clausus nicht mehr die entscheidende Rolle spiele. Lediglich 20 Prozent der Medizin-Studienplätze in Niedersachsen würden nach der Abiturnote vergeben, 60 Prozent dagegen nach einem speziellen Auswahlverfahren, 20 Prozent nach Wartezeit. Wichtig sei, so Stratmann, die Approbationsordnung zu ändern: Medizin-Studenten müssten mehr Praxisbezug bekommen und frühzeitig erfahren, was von ihnen nach dem Studium verlangt wird.

Gabi Stief und Klaus Wallbaum

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