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Deutschland / Welt Roland Koch will auf den Bau gehen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Roland Koch will auf den Bau gehen
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22:20 28.10.2010
Hessens früherer Ministerpräsident Roland Koch (CDU) Quelle: dpa
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Notfalls kann Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU) mit Mörtel und Kelle umgehen. In den achtziger Jahren mauerte der damalige Jungpolitiker einen neuen Briefkasten an sein Haus in Eschborn – der alte Briefschlitz war zu eng für die Akten. Zwar dürfte diese Qualifikation allein kaum für den Vorstandsvorsitz bei Bilfinger Berger ausreichen, trotzdem ist der 52-jährige Koch bei Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern genau für diesen Posten im Gespräch. Heute will der Aufsichtsrat, geführt vom früheren Dresdener-Bank-Chef Bernhard Walter, über einen Nachfolger für den ausscheidenden Konzernlenker Herbert Bodner entscheiden. „Der ehemalige hessische Ministerpräsident ist Favorit für den Posten“, will die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ erfahren haben.

Seit Koch im Mai seinen Rückzug aus der Politik ankündigt hatte, um in die Wirtschaft zu gehen, wurde über einen Job für ihn gerätselt. Viele erwarteten ihn als gut vernetzten Wirtschaftsanwalt einer großen Kanzlei oder in der Finanzbranche. Doch es würde zu Kochs Ehrgeiz passen, seine Managerqualitäten in der „realen Wirtschaft“ beweisen zu wollen.

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Für den M-Dax-notierten Baukonzern in Mannheim erbrachten 68 000 Mitarbeiter im vergangenen Jahr Leistungen von 10,4 Milliarden Euro. Zugegeben: Die hessische Landesverwaltung mit 80 000 Landesbeamten und 45 000 Angestellten ist größer, der jährliche Etat mit 21,5 Milliarden Euro liegt höher. Dafür wird ein Vorstandsvorsitzender aber besser bezahlt: Nach „Focus“-Angaben soll Koch 1,5 Millionen Euro jährlich verdienen.

Schon im August hatte die „Bild“-Zeitung auf der Titelseite Koch mit Bilfinger Berger in Verbindung gebracht. Der damals noch amtierende Ministerpräsident ließ dementieren. Vergangene Woche bestätigte Walter, dass man mit Koch als einem Kandidaten spreche.

Als möglicher Hinderungsgrund für seinen Wechsel zu dem Baukonzern wird in der Branche fehlender Stallgeruch gesehen. Andererseits hat Koch als Regierungschef viel Erfahrung mit Großprojekten gesammelt. „Ein Ministerpräsident darf und manchmal muss er auch bauen“, sagte er kurz vor seinem Abschied. Das habe ihm Spaß gemacht. In seiner Amtszeit setzte er nicht nur die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen durch, er ließ seine Staatskanzlei und die Hessischen Staatsweingüter neu bauen, auch Landtag und Staatsgerichtshof bekamen neue Gebäude. Dabei sah sich Koch durchaus als Bauherr, der eigene Ideen umgesetzt sehen wollte.

Bei einigen hessischen Großbauten spielt Bilfinger Berger eine Rolle. Der Konzern betreibt die Commerzbank-Arena in Frankfurt, er baut an der neuen Landebahn des Flughafens mit. Deshalb hat die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International bereits mahnend den Zeigefinger erhoben. Auch die hessischen Grünen kritisierten, der Job für Koch habe ein „Geschmäckle“.

Sollten sich Koch und Bilfinger Berger füreinander entscheiden, dürfte die Spekulation entfallen, ob der bisherige CDU-Bundesvize noch einmal in die Politik zurückkehrt. Parteifreunde hoffen immer noch, er werde sich für einen leichter kündbaren Posten als Wirtschaftsanwalt entscheiden. Doch von einem Chefposten auf dem Bau verabschiedet man sich nicht mehr so einfach Richtung Berlin.

dpa