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Deutschland / Welt Romneys Chancen gegen Obama steigen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Romneys Chancen gegen Obama steigen
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21:08 25.04.2012
Von Stefan Koch
Mitt Romney im Wahlkampf.
Mitt Romney im Wahlkampf. Quelle: dpa
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Washington

Es gehört zu den Ritualen amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe, dass die parteiinternen Auseinandersetzungen besonders drastisch geraten können. Zu Wort melden sich dann auch Möchtegern-Kandidaten, die für die breite Mehrheit der Amerikaner nicht wählbar sind - aber im Ausland ein äußerst seltsames Bild der USA entstehen lassen. Diese schwierige Phase der Wahlkampagne 2012 dürfte nun vorbei sein: Mitt Romney, republikanischer Herausforderer von Präsident Barack Obama, meldete am Dienstagabend (Ortszeit) zumindest inoffiziell seinen Anspruch auf die Kandidatur an.

Nach den erfolgreichen Vorwahlen in Connecticut, Rhode Island, New York, Pennsylvania und Delaware untermauerte der 65-Jährige am Dienstag seinen Anspruch - nachdem bereits vor zwei Wochen Rick Santorum aus dem Rennen ausgestiegen war und sich auch Newt Gingrich in den kommenden Tagen verabschieden will. Romneys Siegesfeier in Manchester im Neuenglandstaat New Hampshire markiert eine bedeutsame Weichenstellung: Die geradezu wüst verlaufene Vorauswahl ist aus seiner Sicht erledigt, jetzt beginnt der eigentliche Wahlkampf. "Nach 43 Vorwahlen kann ich mit Überzeugung und Dankbarkeit sagen, dass Ihr mir eine große Ehre habt zuteil werden lassen, mir große Verantwortung übertragen habt", rief er seinen Anhängern zu.

Dass Obamas Wiederwahl am 6. November alles andere als gesichert ist, spürten Romneys Anhänger und Kritiker an diesem Abend gleichermaßen: Der frühere Gouverneur von Massachusetts präsentierte sich als ein Wahlkämpfer, der sehr wohl um die Mitte der Wählerschaft zu kämpfen weiß. Vorbei sind offenbar die Auftritte, bei denen er Frauen, lateinamerikanische Zuwanderer und einfache Arbeitnehmer verschreckte. An seine gelegentlichen Ausflüge ins radikal-konservative Lager der Tea-Party-Bewegung will er offensichtlich selbst nicht so gern erinnert werden.

Romneys Botschaft lautet nunmehr: Obama hat seine Chancen verspielt, die USA aus ihrer wirtschaftlichen Schwächephase herauszuführen. Als erfolgreicher Geschäftsmann und früherer Gouverneur verstehe er mehr von praktischer Politik als der Amtsinhaber. Sein Versprechen an die Wähler: "Die Armut wird besiegt werden." Es schmerze ihn, wenn Millionen von Amerikanern ohne Job seien, und wenn sie zum Beispiel ihr altes Haus nicht zu einem vernünftigen Preis verkaufen können, um an einem neuen, vielversprechenderen Ort ein neues Leben anzufangen: "Die Menschen in Amerika leiden, und wir wissen, dass sich dieses Land in eine falsche, fruchtbar falsche Richtung bewegt."

Romneys wirtschaftsliberaler und in gesellschaftlichen Fragen eher moderater Stil kommt durchaus an: Laut jüngster Umfragen holt er gegenüber dem Amtsinhaber kräftig auf. Vor allem bei wirtschaftspolitischen Themen genießt er in den Augen vieler Wähler eine höhere Kompetenz als der bisherige Chef im Weißen Haus. Ob dem früheren Finanzinvestor damit der Sieg am 6. November gelingt?

Die Kommentatoren der großen amerikanischen Medien hielten sich mit Prognosen auffällig zurück. Sie eint aber die Einschätzung, dass in diesem Jahr ein Kopf-an-Kopf-Rennen zu erwarten ist. Als Romneys größtes Problem wird dessen zersplitterte Partei gesehen: Die Anhänger der radikalen Tea-Party-Bewegung würden von ihm Positionen verlangen, die landesweit zu nicht vermitteln seien. So gelte der Multimillionär zwar als Wirtschaftsprofi, doch in gesellschaftspolitischen Fragen könne er vor allem die weibliche Wählerschaft nicht so recht überzeugen. Viele Frauen würden ihm seine scharfen Aussagen aus dem Vorwahlkampf nicht verzeihen, als er sich grundsätzlich gegen Abtreibungen und gegen Verhütungsmittel aussprach. Am Dienstagabend in Manchester steuerte Romney bereits kräftig in die andere, moderatere Richtung. Ob ihm die breite Wählerschaft bei dieser Kurskorrektur folgt, ist aber noch offen. Manche Beobachter sagen, dass Romney mittlerweile zu oft seine Positionen gewechselt habe.

Obama würde dagegen Themen bedienen, die laut Umfragen bei Frauen besonders gut ankommen - Bildung, Gesundheitssystem und soziale Gerechtigkeit. 

Die Entscheidung fällt erst am 6. November. Doch die Spannung in den USA steigt.