Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland / Welt Runder Tisch arbeitet Missbrauch auf
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Runder Tisch arbeitet Missbrauch auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:53 24.03.2010
Von Gabi Stief
Von links: Bundesbildungsministerin Annette Schavan, Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. Quelle: dpa
Anzeige

An dem runden Tisch am 23. April, an dem auf Einladung von Familienministerin Schröder und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) Vertreter von Familienverbänden, Kirchen, Schulträgern und Wohlfahrtsverbänden Platz nehmen sollen, wird nun auch die Justizministerin als dritte „Tisch“-Vorsitzende teilnehmen.

Das Gremium soll laut Kabinettsbeschluss nicht mehr nur über präventive Maßnahmen beraten, sondern sich auch mit der Aufarbeitung der in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in kirchlichen, öffentlichen und privaten Einrichtungen beschäftigen. Auch Justizvertreter werden nun eingeladen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch außerdem, die ehemalige Familienministerin Christine Bergmann (SPD) zur unabhängigen Beauftragten zu ernennen; sie soll eine Ansprechpartnerin für die Opfer von sexuellem Missbrauch sein.

Anzeige

Schröder sprach bei der Vorstellung der neuen „Tischordnung“ von „erschütternden Vorgängen“ und einem „eklatanten Versagen“ der Verantwortlichen. Ziel der Arbeitsgruppe „Prävention“, die sie leiten werde, sei eine stärkere Sensibilisierung von Eltern und Pädagogen, um künftig Übergriffe auf Kinder und Jugendliche frühzeitig zu entdecken und im besten Fall zu verhindern. Außerdem soll der runde Tisch der Frage nachgehen, wie man mögliche Täter unterstützt, damit sie nicht zu Tätern werden.

Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger wird eine zweite Arbeitsgruppe leiten, die sich mit der Aufarbeitung der mittlerweile verjährten Missbrauchsfälle in katholisch geführten Schulen und anderen Einrichtungen beschäftigen soll. Dabei werde es auch um die Frage der Anerkennung des Leidens und der besseren Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften gehen, sagte die FDP-Politikerin am Mittwoch.

Auf dem ursprünglichen Auftragszettel für den runden Tisch hatte Schröder die Themen Entschädigung und Aufarbeitung vermieden – wohl aus Rücksichtnahme auf die katholische Kirche. Die Justizministerin hatte sich indes früh mit der Kirche angelegt, als sie ihr mangelnde Bereitschaft zur Aufklärung und Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden vorgeworfen hatte. Kanzlerin Angela Merkel hatte mitteilen lassen, dass sie sich eine „breite Lösung“ wünsche, was bedeuten sollte, dass sich ein runder Tisch nicht allein mit dem Missbrauch unter dem Dach der Kirche beschäftigen sollte. Schavan betonte gestern erneut, dass sexuelle Gewalt auch im familiären Umfeld vorkomme. Nicht nur die Kirche, auch die Reformpädagogik sei von der Debatte betroffen.

Mehr zum Thema

Das Schweigen über sexuellen Missbrauch in Schulen oder kirchlichen Einrichtungen soll nach dem Willen der Bundesregierung ein Ende haben. Als neue Anlaufstellen hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Runden Tisch beschlossen und eine Missbrauchsbeauftragte eingesetzt.

24.03.2010

Das Vertrauen der Deutschen in den Papst und die katholische Kirche ist nach einer „Stern“-Umfrage wegen des Skandals um sexuellen Missbrauch dramatisch gesunken.

24.03.2010

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hat die Pläne der Regierung zur Aufklärung von Kindesmissbrauch an kirchlichen Einrichtungen und Schulen als unzureichend kritisiert.

24.03.2010