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Deutschland / Welt Russische Menschenrechtsaktivistin im Nordkaukasus ermordet
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18:14 15.07.2009
Die russische Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa wurde ermordet.
Die russische Menschenrechtsaktivistin Natalja Estemirowa wurde ermordet. Quelle: Memorial
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Nach russischen Medienberichten wurde sie wenige Stunden nach ihrer Entführung in Tschetschenien erschossen in der Nachbarrepublik Inguschetien aufgefunden. Estemirowa war für die Nichtregierungsorganisation Memorial tätig und eine Freundin der 2006 ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja.

Estemirowa sei am frühen Morgen nahe ihrer Wohnung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gewaltsam in ein Auto gezerrt worden, teilte Memorial mit. Nach Angaben von Zeugen habe sie sich schreiend gegen die Entführung zur Wehr gesetzt.

Wie die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS unter Berufung auf das Innenministerium Inguschetiens berichtete, wurde Estemirowas Leiche am Nachmittag nahe der Stadt Nasran gefunden, die unmittelbar an der Grenze zwischen den beiden Kaukasusrepubliken liegt. Ersten Erkenntnissen zufolge sei sie erschossen worden. Ein Sprecher der russischen Staatsanwaltschaft sagte der Nachrichtenagentur Interfax, dass sich unter den persönlichen Gegenständen bei der Leiche die Papiere von Estemirowa befunden hätten.

Die Menschenrechtsaktivistin zählte zu den führenden Mitarbeitern von Memorial im Kaukasus. Für ihre Arbeit wurde sie 2007 mit dem Anna-Politkowskaja-Preis bedacht. Zuvor hatte sie bereits die Robert-Schumann-Medaille des Europaparlaments sowie eine Auszeichnung des schwedischen Parlaments erhalten. „Mehr als einmal“ hätten die tschetschenischen Behörden ihren Unmut über die Arbeit Estemirowas geäußert, teilte Memorial mit. Ein Kollege sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass Estemirowa kürzlich zum Missfallen der örtlichen Behörden eine Hinrichtung kritisiert habe.

Die mehrheitlich von Muslimen bewohnten Kaukasusrepubliken im Südwesten Russlands sind immer wieder Schauplatz von Anschlägen und Entführungen. Ein Großteil der Gewalttaten wird mit dem Tschetschenien-Konflikt in Verbindung gebracht. Dort kämpfen Rebellen seit Jahren für die Unabhängigkeit von Moskau. Die russische Regierung erklärte im April seinen Anti-Terror-Einsatz in Tschetschenien für beendet, der mit dem zweiten Tschetschenien-Krieg im Jahr 1999 begonnen hatte.

Politkowskaja war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Die Journalistin gehörte zu den wenigen in Russland, die über den Feldzug der russischen Truppen in Tschetschenien kritisch berichtet und schwere Menschenrechtsverletzungen angeprangert hatten. Die Hintergründe des Mordes sind bis heute nicht geklärt.

afp