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Deutschland / Welt Russland befürchtet Großangriff gegen Separatisten
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Russland befürchtet Großangriff gegen Separatisten
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08:46 04.05.2014
Foto: Der Leiter der freigelassenen deutschen OSZE-Inspektoren, der deutsche Oberst Axel Schneider (von links), der dänische Verteidigungsminister Nicolai Wammen, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnicky geben auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel ein Statement
Der Leiter der freigelassenen deutschen OSZE-Inspektoren, der deutsche Oberst Axel Schneider (von links), der dänische Verteidigungsminister Nicolai Wammen, Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnicky geben auf dem militärischen Teil des Flughafens Berlin-Tegel ein Statement. Quelle: dpa
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Moskau/Berlin

Nach dem Ende des Geiseldramas befürchtet Moskau eine Großoffensive der ukrainischen Sicherheitskräfte gegen die prorussischen Separatisten im Osten des Landes. Das sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow in einem Telefongespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter Steinmeier, wie das russische Außenministerium mitteilte.

Nach acht Tagen Geiselhaft waren die in der Ostukraine festgesetzten OSZE-Militärbeobachter am Samstag wieder freigekommen. Die Männer, unter ihnen vier Deutsche, landeten am Abend an Bord einer Bundeswehr-Maschine in Berlin. Der Leiter der Beobachtermission, der deutsche Oberst Axel Schneider, äußerte sich erleichtert. "Von uns fällt im Moment ein beträchtlicher Druck", sagte Schneider bei einem Zwischenstopp in Kiew. "Die Anspannung war enorm."

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen widersprach der Haltung, die Militärbeobachter seien in einer viel zu gefährliche Mission unterwegs gewesen. "Die Entführung der Inspektoren ist ja der Anfang der Eskalation in der Region gewesen", sagte die Ministerin im ZDF-"heute journal". Die Delegation war am 25. April in Slawjansk festgesetzt worden. Allerdings hatte es bereits am 13. April in der Stadt einen sogenannten Anti-Terror-Einsatz gegen Separatisten mit Toten und Verletzten gegeben.

Oberst Schneider berichtete nach der Freilassung, in den vergangenen Tagen habe es für das OSZE-Team eine «ständig steigende Bedrohung» gegeben. Nach Beginn der Offensive von Regierungseinheiten gegen die prorussischen Separatisten "kam sprichwörtlich das Feuer von Handwaffen und von Artillerie immer näher. Und wir waren hier zur Untätigkeit verurteilt".

Kurz vor Freilassung der Geiseln war die Gewalt in der Ostukraine wieder eskaliert. Besonders schwere Kämpfe tobten am Samstag in der Stadt Kramatorsk, etwa 20 Kilometer südlich von Slawjansk. Ein Fernsehturm sowie mehrere Straßensperren seien wieder in der Hand der Regierungstruppen, berichtete der ukrainische Innenminister Arsen Awakow. Bei der Offensive seien mindestens 6 Separatisten getötet und 15 verletzt worden, hieß es in Kiew.

Die Regierungseinheiten hätten nach zweitägigen Kämpfen fast alle besetzten Verwaltungsgebäude von den Protestführern geräumt, teilte die Führung in Kiew mit. Ein Sprecher der moskautreuen "Volksmilizen" bestätigte, dass in Kramatorsk nur noch eine Behörde in der Hand der Separatisten sei. Die Aktivisten würden sich nun in Slawjansk mit Barrikaden auf weitere Angriffe der Sicherheitskräfte vorbereiten, teilte einer der Sprecher der Separatisten mit.

Auch in der Gebietshauptstadt Donezk kam es wieder zu Gewalt. Maskierte und mit Knüppeln bewaffnete Demonstranten nahmen am Samstagabend ein Gebäude des Geheimdienstes SBU ein. Die Polizei habe nicht eingegriffen, hieß es. In der Stadt Gorlowka erstürmten moskautreue Aktivisten ein Verwaltungsgebäude. Auch aus Lugansk und Konstantinowka wurden vereinzelte Gefechte gemeldet.

In Odessa am Schwarzen Meer herrschten am Samstag Trauer und Bestürzung. In der Hafenmetropole, in der es bislang vergleichsweise ruhig geblieben war, hatten sich am Freitag Anhänger und Gegner der Übergangsregierung in Kiew schwere Straßenschlachten geliefert. Dabei wurde das zentrale Gewerkschaftshaus in Brand gesetzt, wo Dutzende Menschen starben. Die Staatsanwaltschaft zählte insgesamt es 46 Tote und 214 Verletzte.

Am Samstagabend verlangten Demonstranten vor der Polizeizentrale die Freilassung von mehr als 100 prorussischen Aktivisten. Die Festgenommenen stehen im Verdacht, die Unruhen ausgelöst zu haben. Unter ihnen sollen auch Bürger Russlands sein.

dpa

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