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Deutschland / Welt Sander will Castoren in Bunker bringen
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Sander will Castoren in Bunker bringen
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07:22 27.09.2011
Von Michael B. Berger
Wärmebild des Zwischenlagers in Gorleben: Die rotorange Farbe nahe der Dachkante zeigt, wo aus Lüftungsschlitzen Hitze entweicht. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) schlägt vor, hochradioaktiven Atommüll künftig in bombensicheren Bunkern zu lagern. „Ich vermute, dass die gesamte Diskussion um ein geeignetes Endlager letztlich auf eine Bunker-Lösung herauslaufen wird“, sagte Sander am Montag vor Journalisten in Hannover. So sollte man überlegen, ob für die zentrale Lagerung des Atommülls nicht ein ehemaliges Militärgelände infrage komme oder ein stillgelegtes Kernkraftwerk. Sander kündigte an, diesen Vorschlag bei der nächsten Konferenz der deutschen Umweltminister einzubringen, wenn erstmals über ein neues Endlagersuchgesetz gesprochen werden soll.

Sander hatte die „Bunker-Lösung“ schon vor einigen Monaten ins Spiel gebracht. Sie hätte den Vorteil, dass der Müll rückholbar wäre – eine Forderung, die jüngst Ministerpräsident David McAllister erhoben hat. Für eine „Bunker-Lösung“ sprächen auch Sicherheitsfragen, meinte der Minister. „Die Frage der Sicherheit der Lager vor terroristischen Anschlägen wird langfristig gewiss eine größere Rolle spielen.“

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Der nächste Atomtransport aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage La Hague rollt indes aller Wahrscheinlichkeit nach noch einmal ins niedersächsische Gorleben – voraussichtlich Ende November. „Nach derzeitigem Stand dürften die Castoren eingelagert werden“, sagte Sander gestern. Denn neue Messungen hätten die Befürchtungen des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz nicht bestätigt, dass im Zwischenlager Gorleben mit dem nächsten Castortransport ein Grenzwert für die zulässige Strahlendosis überschritten werde.

Umfangreiche Messungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) haben nach Angaben von Sander und von Experten der PTB wesentlich niedrigere Strahlenmesswerte ergeben. Sie prognostizieren für dieses Jahr eine Strahlen-Jahresdosis von 0,233 Millisievert. Der Grenzwert liegt bei 0,3 Millisievert. Wird er überschritten, muss das Land als Aufsichtsbehörde eine weitere Einlagerung von Castoren verbieten. Sander kündigte eine weitere Untersuchung durch den TÜV an, die Ende Oktober stattfinden solle.

Die Grünen im Landtag bezeichneten die neuen Messungen der PTB als „abenteuerlich“ und forderten wie die SPD einen Stopp der Castortransporte.