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Deutschland / Welt Saudi-Arabien soll Waffen für 60 Milliarden Dollar bekommen
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19:43 13.09.2010
Großauftrag vom Persisichen Golf: Saudi-Arabien bestellt bei US-Rüstungsfirmen unter anderem 84 Kampfflugzeuge vom Typ F-15. Quelle: afp
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Die US-Rüstungsindustrie steht vor dem größten Exportauftrag ihrer Geschichte. Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ wird das Weiße Haus in Kürze den US-Kongress um eine Exportbewilligung für ein Waffengeschäft mit Saudi-Arabien in Höhe von 60 Milliarden Dollar (rund 47 Milliarden Euro) bitten. Der auf fünf bis zehn Jahre verteilte Auftrag, dessen Details noch nicht endgültig feststehen, ist fast dreimal so groß wie die gesamten US-Rüstungsexporte des Jahres 2009.

Der Verbündete am Persischen Golf soll unter anderem 84 neue Kampfflugzeuge vom Typ F-15 und etwa 180 Kampfhubschrauber verschiedener Modelle erhalten. Weiter verhandeln die Amerikaner auch noch über ein Luftabwehrsystem, das die wachsende Bedrohung durch iranische Raketen kontern soll. Auf das Paket könnte ein Auftrag zur Modernisierung der saudi-arabischen Seestreitkräfte draufgesattelt werden, der zusätzlich einen Umfang von 30 Milliarden Dollar erreichen würde.

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Saudi-Arabien ist ein traditioneller Großkunde der europäischen und amerikanischen Rüstungsindustrie. Im Jahr 2007 bestellte die Regierung in Riad beispielsweise den Eurofighter. Die neue Bestellung ist ein Indiz dafür, wie hoch die Regierungen in Washington und Riad die Bedrohung durch den Iran einschätzen. Die Order kommt aber auch für die US-Rüstungsindustrie zur richtigen Zeit. Nach einem Zwischenhoch im Jahr 2008 sind die amerikanischen Exporte im vergangenen Jahr drastisch um 40 Prozent auf 22,6 Milliarden Dollar eingebrochen. Mit dem Auftrag sollen nach Angaben der beteiligten Hersteller mindestens 75 000 Arbeitsplätze in den USA gesichert werden. Der Handel ist auch deshalb politisch attraktiv, weil sich die Lieferanten auf 44 der 50 US-Bundesstaaten verteilen und so zahllose Abgeordnete kurz vor den Kongresswahlen in der öffentlichen Wahrnehmung von ihm profitieren würden. Eine Zustimmung des Kongresses gilt deshalb trotz möglicher israelischer Bedenken als wahrscheinlich.

Die zur Lieferung anstehenden Waffen sind der iranischen Rüstung deutlich überlegen. Israel hat aber bereits die amerikanische Zusage, mit Waffensystemen der allerneuesten Generation, unter anderem dem gerade erst für die US-Luftwaffe ausgelieferten Kampfjet F-35, ausgestattet zu werden. Dieser ist deutlich leistungsfähiger als die an Saudi-Arabien gelieferten Modelle. Außerdem wird Saudi-Arabien keine Langstreckenwaffen erhalten, mit denen Israel direkt bedroht werden könnte.

Israel vertraue darauf, dass die USA den technologischen Vorsprung des Landes schützten, sagte dessen Botschafter Michael Oren in Washington. Der Großauftrag steht in einer Linie mit der bisherigen Rüstungspolitik der Obama-Regierung, die vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise die Beschränkungen für Rüstungsexporte lockern will. US-Verteidigungsminister Robert Gates hat bereits im Frühjahr den Vertretern der amerikanischen Rüstungskonzerne diese Zusage gegeben. Das „Wall Street Journal“ zitierte einen Beteiligten an den Verhandlungen mit Saudi-Arabien, der die ökonomische Komponente des Handels betonte: „Das entscheidende Argument ist doch, dass es besser ist, die damit verbundenen Jobs hier in den USA als in Europa zu schaffen.“

Die Vereinigten Staaten waren mit einem globalen Marktanteil von etwa 39 Prozent im vergangenen Jahr der mit Abstand größte Rüstungsexporteur der Welt. Weit abgeschlagen lagen Russland und Frankreich mit einem Marktanteil von etwa 17 beziehungsweise zwölf Prozent. Auch Deutschland befindet sich in der globalen Spitzengruppe. Wenn man den Durchschnitt der Jahre 2005 bis 2009 betrachtet, liegt die Bundesrepublik mit einem Weltmarktanteil von elf Prozent nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts SIPRI nach den USA und Russland sogar auf Platz drei.

Andreas Geldner