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Deutschland / Welt Schäuble erhält Karlspreis
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20:03 17.05.2012
Foto: Wolfgang Schäuble erhält in Aachen den Karlspreis.
Wolfgang Schäuble erhält in Aachen den Karlspreis. Quelle: dpa
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Aachen

Krise, immer wieder Krise in Europa - seit gut zwei Jahren. Doch bei dieser Karlspreis-Verleihung hatte die Schuldenkrise kaum eine Chance durchzuschlagen. Wolfgang Schäuble erhielt die Auszeichnung am Donnerstag für seine historischen Verdienste um die deutsche und europäische Einigung. Beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses wurde deutlich, was ihn antreibt: Er ist begeistert und überzeugt von Europa. Und während alle nur von Krise reden, Griechenlands Austritt aus der EU befürchten, treibt er Europa an, spricht von der Zukunft, von Weiterentwicklung - wohl wissend wie mühsam der Prozess ist.

Schäuble will mehr Europa und will auch die Bürger direkt beteiligen, nicht wie bisher nur über das Europaparlament. Er warb für eine politische Union und für einen direkt gewählten Präsidenten. Aus seiner Sicht könnten die Parteien schon bei der nächsten Europawahl 2014 mit Spitzenkandidaten antreten, die dann eine Chance auf das Amt hätten. Für Demokratisierung und Reform warb Schäuble. Europa müsse in kleinen Schritten vorwärtsgehen, um handeln und entscheiden zu können,

Aus seiner Sicht hat Europa mit seiner Vielfalt viel zum jetzigen Zustand der Welt beigetragen. Globalisierung und neue Technologien forderten eine neue Ordnung. "Dazu werden die Fähigkeiten und die Erfahrung Europas gebraucht", sagte Schäuble. Europa müsse auf seine verbindenden Werte schauen, wie Freiheit, Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe.

„Kein Land in Europa kann heute noch im Sinne des alten nationalstaatlichen Regelungsmonopols seine Aufgaben auf sich allein gestellt wahrnehmen." Die neue Welt sei kompliziert, und die Abstimmungsprozesse seien schwerfällig. Für Schäuble braucht Europa starke funktionsfähige und für die Bevölkerung nachvollziehbare europäische Institutionen.

Die Laudatio hielt ein Freund Schäubles, Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker. Und er freute sich: „Ich rede soviel über den Euro, dass ich froh bin, dass ich an Christi Himmelfahrt nicht auch noch über den Euro reden muss."

Doch auch er ging auf die Rolle Europas in der Globalisierung ein. „Mit dem Staat allein ist kein Staat mehr in Europa zu machen." Europas Anteil an der Weltbevölkerung schrumpfe. „Man muss verrückt sein, angesichts dieser demografischen Realität sich vorstellen zu wollen, jetzt wäre die große Stunde der Nationalstaaten gekommen. Jetzt ist die große Stunde Europas gekommen", sagte Juncker. Dafür brauche man mehr und nicht weniger Europa. Schäubles Worte.

Dieser sei ein unermüdlicher Kämpfer für Europa, ein „Multi-Level-Patriot". „Er setzt sich ein, er schindet sich, er bemüht sich, er kämpft. Und er hat Recht, dass er für den Euro kämpft." Die Soziale Marktwirtschaft gehöre zu Schäubles Wertekanon. Die Krise sei darauf zurückzuführen, dass man diese Kardinaltugend nicht beachtet habe.

Schäuble lasse sich nicht aus der Bahn werfen, auch nicht privat. „Nach dem schrecklichen Attentat vom 12. Oktober 1990 hat Wolfgang der Republik und der Welt vorgeführt wie man souverän mit der Behinderung umgeht", sagte Juncker. Auch wenn Schäuble es nicht möge, wenn man darüber rede, er tue es trotzdem - „auch wenn ich nachher Schelte kriege".

dpa