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Deutschland / Welt Schellnhuber: Welt steuert auf mehr als drei Grad Erwärmung zu
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22:55 21.12.2009
Das Wirtschaftswachstum im Blick: Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao mit Frankreichs Regierungschef François Fillon. Quelle: afp
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Schellnhuber machte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Montag vor allem China und die USA für die mageren Gipfelergebnisse verantwortlich. Umweltbundesamt-Chef Jochen Flasbarth gab der UNO eine Mitschuld am Scheitern des Klimagipfels.

Eine Erderwärmung um mehr als drei Grad wäre Schellnhuber zufolge „nur schwer beherrschbar“, insofern sei die Konferenz ein „völliger Fehlschlag“ gewesen. Auf dem Gipfel hatte es zwar eine Festlegung gegeben, die weltweite Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, es gab jedoch keinerlei feste Emissionsziele, um dies zu untermauern.

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Der Chefökonom des von Schellnhuber geleiteten Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Ottmar Edenhofer, sprach sich dafür aus, künftige Klimagipfel durch Prozesse im kleineren Kreis zu ergänzen, „etwa auf transatlantischer Ebene oder im Rahmen der G20“. Man dürfe nicht das ganze Gewicht der Verantwortung auf die Schultern der UNO legen.

Flasbarth sagte dem „Hamburger Abendblatt“, die Stimme der Vereinten Nationen sei am Ende „zu klein und zu leise“ gewesen. Ban habe in seinen Gruß- und Schlussworten zwar Richtiges gesagt, die Möglichkeiten seines Amtes aber vermutlich „nicht vollständig ausgeschöpft“. Der Präsident des Umweltbundesamtes forderte eine Debatte über die künftige Rolle der UNO im Klimafolgenprozess.

Die Klimaexpertin des Umweltverbands WWF, Regine Günther, warf dem dänischen Ministerpräsidenten Lars Loekke Rasmussen vor, die Konferenz mangels eines überzeugenden Verhandlungskonzepts „in die Katastrophe“ geführt zu haben. Deutschland müsse nun nationale Strategien verfolgen, um eine Verringerung des deutschen CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis 2020 zu erreichen.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf der Bundesregierung in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vor, in Kopenhagen eine Vorreiterrolle der EU verhindert zu haben. Das gelte besonders für den Bereich der Finanzzusagen. Trittin forderte die EU auf, sich jetzt auf eine Verringerung der Treibhausgasemissionen um 30 Prozent festzulegen. Dagegen wandte sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, in der „Passauer Neuen Presse“ gegen einseitige Klimaschutzzusagen Deutschlands und der EU.

Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao verteidigte die Rolle seines Landes auf dem Klimagipfel als „wichtig und konstruktiv“. China sei bereit, auf dem Ergebnis von Kopenhagen aufzubauen und beim Kampf gegen den Klimawandel mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten, sagte er der Nachrichtenagentur Xinhua.

Der britische Umweltminister Ed Miliband warf China dagegen vor, weiterführende Ziele wie eine Halbierung der weltweiten CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 durch sein Veto verhindert zu haben. Premierminister Gordon Brown beschuldigte „eine Handvoll Länder“, das Gipfeltreffen „als Geisel genommen“ zu haben. Das dürfe ihnen nie wieder gestattet werden, fügte er hinzu.

Das Plenum der mehr als 190 Teilnehmerstaaten hatte am Samstag in Kopenhagen eine von 25 Ländern ausgehandelte politische Erklärung lediglich zur Kenntnis genommen. Diese nennt das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, aber keine konkreten Vorgaben zur Treibhausgasverringerung.

afp

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