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Deutschland / Welt Sechs Tote bei Mordanschlag auf US-Politikerin
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Sechs Tote bei Mordanschlag auf US-Politikerin
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08:39 09.01.2011
Bei dem Anschlag auf die US-Politikerin Gabrielle Giffords kamen sechs Menschen ums Leben, die Demokratin wurde schwer verletzt. Quelle: dpa
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Schock in Amerika: Ein politisch verwirrter Täter hat in Arizona eine Kongressabgeordnete durch einen gezielten Kopfschuss schwer verletzt. Der 22-jährige Täter erschoss bei einem Bürgertreff der Politikerin zudem sechs Menschen, darunter ein kleines Mädchen. Die Motive des Täters, der überwältigt wurde und in Haft ist, sind unklar. Entgegen ersten Angaben schließt die Polizei nicht aus, dass es einen Komplizen gibt.

Der Schütze habe die 40-jährige demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords bei einem gezielten Mordanschlag mit einer halbautomatischen Pistole niedergestreckt, sagte Sheriff Clarence Dupnik. Die Polizei sei auf der Suche nach einem möglichen Komplizen.

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Präsident Barack Obama äußerte sich erschüttert und appellierte: Gewalt hat keinen Platz in der Politik. Sheriff Dupnik verwies ausdrücklich auf die aufgeheizte politische Stimmung in Arizona: Ein solches Klima könne psychisch labile Menschen beeinflussen.

„Wir sind zu einem Mekka des Hasses und der Vorurteile geworden“, sagte Dupnik. Das Abgeordnetenhaus in Washington sagte alle Sitzungen in der nächsten Woche ab.

Das Verbrechen ereignete sich am Samstagvormittag, als Giffords politische Anhänger in einem Einkaufszentrum in Tucson traf. „Es wurden zwischen 15 und 20 Schüsse abgefeuert“, berichtete ein Augenzeuge. Der Täter habe die Abgeordnete aus nächster Nähe gezielt in den Kopf geschossen. Dann sei Chaos ausgebrochen. Passanten konnten den Mann überwältigen.

Über Stunden waren die genauen Ereignisse völlig unklar: Zeitweise hieß es, die Abgeordnete sei tot. Zwei Passanten gelang es, den Täter zu überwältigen.

Ersten Berichten zufolge soll der Täter im Internet gegen die Regierung gewettert und eine neue US-Währung gefordert habe. Er habe eine kriminelle Vergangenheit, sagte Dupnik, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen.

Giffords gilt als moderate, aber streitbare Demokratin, die nicht immer auf Parteilinie liegt. So trat sie im Widerspruch zu vielen Parteifreunden seit langem für das Recht auf Schusswaffen ein. Sie vertritt seit Januar 2007 als Kongressabgeordnete den Süden des US-Bundesstaats Arizona.

Kommentatoren beklagen seit Monaten das aufgeheizte politische Klima in den USA. Besonders in Arizona, das an Mexiko grenzt und wo viele illegale Einwanderer leben, schlug im vergangenen Jahr eine Ausländerdebatte hohe Wellen.

Die Abgeordnete wurde operiert und befinde sich in kritischen Zustand, sagte ein Krankenhausarzt in Tucson. Er sei optimistisch, dass die Patientin überlebt, sagte der Arzt. Ärzte sprachen von einem glatten Kopfdurchschuss der Politikerin.

Unter den Toten sei auch ein Richter und eine Helferin der Abgeordneten. Polizeichef Rich Kastigar bestätigte bei einer Pressekonferenz, es haben sechs Tote gegeben. Ein Dutzend Menschen sei verletzt worden, viele davon schwer.

Obama sprach von einer „unsagbaren Tragödie“. Eine solche „sinnlose und schreckliche Gewalttat hat in einer freien Gesellschaft keinen Platz“, meinte er in einer ersten schriftlichen Stellungnahme. „Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, sagte Obama, der später eigens vor die Kameras trat. Ähnlich erschüttert äußerte sich der neu gewählte Präsident des Abgeordnetenhauses, John Boehner von den Republikanern. „Das ist ein trauriger Tag für unser Land.“

dpa

Dieser Artikel wurde mehrfach aktualisiert.