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Deutschland / Welt Seiters: „Wir brauchen viel viel mehr Spenden“
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Seiters: „Wir brauchen viel viel mehr Spenden“
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14:31 17.08.2010
"250 000 Menschen werden derzeit versorgt – fast 20 Millionen brauchen Hilfe": Rudolf Seiters, 
Präsident des 
Deutschen Roten Kreuzes, fordert mehr Spenden für Pakistan.
"250 000 Menschen werden derzeit versorgt – fast 20 Millionen brauchen Hilfe": Rudolf Seiters, 
Präsident des 
Deutschen Roten Kreuzes, fordert mehr Spenden für Pakistan. Quelle: dpa
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Herr Seiters, die Hilfsorganisationen klagen über mangelnde Spendenbereitschaft. Ist Pakistan zu weit weg?
Es war mit den Spenden in der Tat sehr schwierig – trotz der dramatischen Situation in Pakistan. Montagmorgen aber hat sich das Blatt gewendet, auf einmal gehen die Spenden ein. 800 000 Euro sind es bis jetzt.

Warum hat es so lange gedauert?
Die Menschen sind dieses Katastrophensommers überdrüssig – Feuer in Russland, Hochwasser in Ungarn, Ölpest im Golf von Mexiko, das Unglück bei der Loveparade, davor schon im Januar das Erdbeben in Haiti, da mag mancher gar nicht mehr hinhören und hinsehen. Die Berichte über den Besuch des UN-Generalsekretärs im Flutgebiet haben jetzt viele aufgerüttelt. Allerdings macht Pakistan mit seiner unüberschaubaren politischen Situation vielen das Helfenwollen auch nicht gerade leicht.

Kann man der Regierung in Islamabad denn Hilfsgeld anvertrauen?
Zweierlei dazu: Erst einmal hilft es uns gar nicht weiter, wenn wir jetzt aus vereinzelten Informationen vorschnell endgültige Schlüsse ziehen. So wie in Haiti wäre auch die Regierung in Islamabad ohne weltweite Hilfe bei der Bewältigung der Katastrophe überfordert. Zum anderen sind die Erfahrungen des Roten Kreuzes in Pakistan wirklich gut; wir arbeiten dort seit den achtziger Jahren mit dem Roten Halbmond zusammen – das geht gut und vertrauensvoll, es hat noch nie Unterschlagungen gegeben. Wir können für uns und den Roten Halbmond garantieren, dass das Geld bei den Opfern ankommt.

Wie arbeitet das Rote Kreuz in den Flutgebieten?
Wir nutzen das, was wir im Lauf der Jahre aufgebaut haben. Dazu gehört die Ausbildung von Ersthelfern, die Einrichtung von mobilen Gesundheitsstationen, die im Katastrophenfall Verletzungen und Infektionen behandeln können. Im Swattal haben wir zum Beispiel in zwölf Gemeinden geholfen, sichere Zufluchtsorte bei Überschwemmungen zu definieren und die Wege dorthin bekannt zu machen. Das alles gehört zur Katastrophenvorsorge. Außerdem fliegen wir an diesem Dienstag 18 Tonnen Hilfsgüter – Zeltplanen, Moskitonetze, Decken, Kochausrüstungen, Werkzeug – von Berlin ins Notstandsgebiet.

Die Hilfe ist also auf gutem Weg?
Wir brauchen viel, viel mehr. 250 000 Menschen werden derzeit versorgt – fast 20 Millionen brauchen Hilfe. Die Arbeit wird in den Regionen, die ohnehin von Konflikten heimgesucht sind, unendlich erschwert durch Landminen, die im Wasser herumtreiben. Ich sage es offen: Ich hoffe sehr, dass die Menschen den dramatischen Ernst der Lage erfassen und ihren verständlichen Spendenüberdruss nach den vielen Krisen des Sommers überwinden.

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