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Deutschland / Welt Selbstmordkommandos greifen afghanische Armee an
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14:49 19.12.2010
Quelle: ap
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Einen Tag nach dem Truppenbesuch von Kanzlerin Angela Merkel in Nordafghanistan haben Selbstmordkommandos der Taliban die afghanische Armee in Kundus und in Kabul angegriffen. Mindestens zehn Angehörige der Sicherheitskräfte und vier Angreifer starben. In Kundus unterstützten am Sonntag nach Angaben eines dpa- Reporters auch einige Bundeswehr-Soldaten die einheimischen Truppen. Dort hatte sich am Samstag Merkel bei den deutschen Soldaten für ihren Dienst bedankt.

Ziel der Taliban in Kundus war ein Rekrutierungszentrum der afghanischen Armee in der Stadt. „Drei Armeesoldaten und zwei Polizisten wurden bei dem Schusswechsel mit den Selbstmordattentätern getötet“, sagte der Polizeichef der nordafghanischen Provinz Kundus, Abdul Rahman Sayedkhili. Mindestens drei Aufständische seien bei den Kämpfen am Sonntag ums Leben gekommen, die über Stunden andauerten.

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Sayedkhili sagte, mindestens vier Taliban-Kämpfer seien am frühen Morgen in das Rekrutierungszentrum in Kundus eingedrungen. Zwei der Aufständischen zündeten ihre Sprengstoffwesten bei den anschließenden Gefechten, ein weiterer sei erschossen worden. Zu den Gefechten kam es in der Stadt Kundus, das deutsche Feldlager liegt außerhalb in der Nähe des Flughafens.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa sagte, auch einige deutsche Soldaten unterstützten die afghanischen Sicherheitskräfte in Kundus. Dem Einsatzführungskommando in Potsdam lagen dazu zunächst keine Erkenntnisse vor. Der Reporter sagte weiter, mindestens zehn Tote oder Verletzte seien ins Krankenhaus gebracht worden. Aus dem Gebäude waren Schüsse und Explosionen zu hören. Die Taliban bekannten sich zu dem Angriff. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte am Sonntag mit, in der Nacht zuvor seien mehrere Aufständische in der Provinz Kundus getötet worden.

Merkel hatte die deutschen Soldaten in Kundus am Samstag besucht. Die Visite war aus Sicherheitsgründen vorab nicht angekündigt worden. In Kundus hatte die Kanzlerin im Zusammenhang mit dem Konflikt in Afghanistan deutlich wie nie zuvor von einem „Krieg“ gesprochen.

In der Hauptstadt Kabul griffen am Sonntag zwei Selbstmordattentäter der Taliban einen Bus mit afghanischen Soldaten an. Fünf Soldaten seien getötet und neun weitere verwundet worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Semarai Baschari. Einer der Angreifer habe seine Sprengstoffweste gezündet, der andere sei vorher von Polizisten erschossen worden. Die Taliban bekannten sich zu dem ersten schweren Anschlag in Kabul seit sieben Monaten.

Am Wochenende kamen in Afghanistan innerhalb von zwei Tagen zwei französische Soldaten bei Gefechten ums Leben. Damit liegt die Zahl der französischen Opfer in Afghanistan bei 52. Präsident Nicolas Sarkozy sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er betonte zugleich, dass Frankreich entschlossen sei, sich weiter am internationalen Afghanistan-Einsatz zu beteiligen. Am Freitag war ein deutscher Soldat nach einem Unfall an einer Schussverletzung gestorben. Die Bundeswehr hat damit 45 Tote in Afghanistan zu beklagen.

dpa

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