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Deutschland / Welt Sexaffäre von IWF-Chef löst politisches Erdbeben aus
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Sexaffäre von IWF-Chef löst politisches Erdbeben aus
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21:57 15.05.2011
Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn. Quelle: dpa
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In Frankreich, wo Strauss-Kahn als Kandidat für die Präsidentschaftswahl 2012 gehandelt wurde, reagierte die Politik fassungslos.

Die Parteichefin der Sozialisten, Martine Aubry, sagte, die Nachricht aus den USA habe sie wie ein „Donnerschlag“ getroffen. „Das ist ein Schock“, sagte auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal. Der ehemalige Parteichef François Hollande sprach von einer „schrecklichen Nachricht“.

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Politiker aus dem rechten französischen Lagers zeigten sich weniger zurückhaltend. Der konservative Abgeordnete Bernard Debré von der Regierungspartei UMP nannte die Affäre „demütigend für Frankreich“. Die Parteichefin der rechtsradikalen Partei Front National, Marine Le Pen, kommentierte: „Er ist als Kandidat für das höchste Staatsamt definitiv diskreditiert.“ Die französische Regierung rief lediglich dazu auf, das Prinzip der Unschuldsvermutung zu respektieren.

Der IWF-Chef war am Sonntag auf dem New Yorker John-F.-Kennedy-Flughafen wenige Minuten vor dem Abflug nach Paris von US-Beamten aus einer Air-France-Maschine geholt und festgenommen worden. Gegen ihn werde ermittelt, weil er ein 32-jähriges Zimmermädchen angegriffen und sexuell bedrängt haben solle, so ein Polizeisprecher. Laut Polizei sagte die Frau aus, der 62-Jährige habe sie belästigt, als er nackt aus der Dusche gekommen sei. Am Sonntag wurde Strauss-Kahn einem Haftrichter vorgeführt. Sein Anwalt erklärte, sein Mandant werde auf nicht schuldig plädieren. Auch die Ehefrau von Strauss-Kahn, Anne Sinclair, wollte den Vorwürfen nicht trauen: „Ich glaube nicht eine einzige Sekunde an die Anschuldigungen.“ Bereits nach einem Seitensprung Anfang 2008 stand die 62-Jährige zu ihrem Mann. Der IWF hat eine Sondersitzung seines Aufsichtsrates anberaumt. Den Vorsitz führt IWF-Vize John Lipsky. Der IWF bleibe trotz der Vorwürfe weiter „vollkommen handlungsfähig“, hieß es.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) befürchtet trotz der Turbulenzen um Strauss-Kahn keine Verzögerungen bei den Verhandlungen über die Euro-Rettungspakete. „Die Lösung der Probleme ist dadurch nicht belastet“, sagte Schäuble am Sonntag. An den Beratungen der Finanzminister der Euro-Gruppe an diesem Montag in Brüssel wird ein Stellvertreter des IWF-Chefs teilnehmen.

Axel Veiel