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Deutschland / Welt Sorge um syrische Chemiewaffen
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15:26 24.07.2012
Teile syrischer Chemiewaffenarsenale sollen derzeit im Land unterwegs sein – ob zur Sicherheit oder zur Vorbereitung eines Einsatzes? Quelle: dpa
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Tel Aviv

Die dramatische Entwicklung im Syrienkonflikt nährt die Sorge um die Sicherheit der Chemiewaffen. Nach israelischer Einschätzung versucht Damaskus zu verhindern, dass Giftgas in die Hände von Extremisten fällt. Trotz des Drucks auf sein Regime gehe Präsident Baschar al-Assad „verantwortlich mit Chemiewaffen um“, sagte ein Informant aus Regierungskreisen am Dienstag der israelischen Zeitung „Haaretz“.

Assad habe einen Teil der Chemiewaffenarsenale zu Stützpunkten gebracht, die fernab der Kampfzonen in größerer Sicherheit seien. Die israelische Regierung wollte den Bericht nicht bestätigen. Regierungssprecher Mark Regev sagte lediglich: „Wir sind besorgt, dass gefährliche Waffen in Syrien wie Chemiewaffen in die Hände von Extremisten gelangen könnten.“

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Syrische Rebellen erklärten am Dienstag, Regierungstruppen hätten Chemiewaffen zu grenznahen Flugplätzen transportiert. „Die meisten von uns im Oberkommando der Freien Syrischen Armee (FSA) wissen sehr genau, wo diese Waffen sich befinden“, sagte FSA-Brigadegeneral Kassem Saeddine dem Nachrichtensender Al Dschasira. „Jetzt haben wir handfeste Informationen, dass Assad einige dieser Waffen mit der Ausrüstung zur Mischung chemikalischer Komponenten auf Flugplätze nahe der Grenze verlegt hat.“ Syrien wolle damit Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben.

Chemiewaffen können nicht ohne Vorbereitung eingesetzt werden. Verschiedene Chemikalien müssen zusammengebracht und in Bomben oder Granaten mit speziellen Zündern gefüllt werden.

Israel sieht jedenfalls eine Bedrohung von dem syrischen Arsenal ausgehen. Außenminister Avigdor Lieberman erklärte laut „Haaretz“ seinen Amtskollegen aus Frankreich und Großbritannien in Brüssel, Israel würde jeden syrischen Versuch, die Hisbollah mit Chemiewaffen auszustatten, als «Überschreiten einer roten Linie» ansehen. „Wir würden uns nicht beschränken und würden sehr hart reagieren, wenn das passiert“, sagte Lieberman.

Präsident Shimon Peres sagte dem US-Nachrichtensender CNN: „Israel kann nicht gleichgültig bleiben, wenn Chemiewaffen weitergegeben werden, die auf es gerichtet werden könnten.“ Laut „Haaretz“ sieht Tel Aviv zwar keine Anzeichen, dass Assad Chemiewaffen weitergibt. „Doch Israel ist sehr besorgt, denn es ist schwer zu sagen, ob diese Schritte ausreichen, wenn Assad fällt“, sagte der Informant.

Am Montag hatte das syrische Außenministerium erklärt, die Chemiewaffen würden nicht im Inneren eingesetzt und seien zur Abwehr von Angriffen aus dem Ausland entwickelt worden. Das war von westlichen Politikern als Drohung gewertet worden. Daraufhin schob Syrien am Dienstag eine Klarstellung nach und erklärte, man würde Chemiewaffen auch nicht gegen Israel richten.

dpa