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Deutschland / Welt Spanische Polizei löst Kundgebungen auf
Nachrichten Politik Deutschland / Welt Spanische Polizei löst Kundgebungen auf
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14:36 13.05.2012
Die Polizei hat die Demonstranten vom Platz Puerta del Sol in Madrid vertrieben.
Die Polizei hat die Demonstranten vom Platz Puerta del Sol in Madrid vertrieben. Quelle: dpa
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Madrid

Ein Jahr nach der Entstehung der Bewegung der „Empörten“ haben in Spanien Zehntausende Menschen gegen die Spar- und Finanzpolitik ihrer Regierung demonstriert. Die Veranstalter sprachen von Hunderttausenden Teilnehmern. Kleinere Kundgebungen gab es auch in anderen europäischen Städten.

Mit ihren Kundgebungen in spanischen Städten unterstrich die Protestbewegung, dass sie in der Bevölkerung nach wie vor einen beträchtlichen Rückhalt genießt. In Madrid und anderen Städten wollten Demonstranten im Anschluss an die Kundgebungen öffentliche Plätze besetzen. Am Sonntag kurz vor Morgengrauen schritt die Polizei ein und ließ die Plätze räumen.

Bei der Entstehung der Bewegung im Mai 2011 waren Hunderttausende Spanier Menschen auf die Straßen gegangen und hatten Zeltlager in den Innenstädten eingerichtet. Die Proteste richten sich gegen die Arbeitslosigkeit, die Politik der etablierten Parteien und gegen die Macht der Banken. Die jetzigen Demonstrationen sollen nach Angaben der Organisatoren bis zum Dienstag fortgesetzt werden. Der 15. Mai 2011 gilt als der Beginn der Protestbewegung, die in Spanien daher auch als “15-M“ bezeichnet wird.

In Madrid löste die Polizei am Sonntag eine Kundgebung von mehreren Hundert Demonstranten auf, die die Nacht auf dem Platz Puerta del Sol im Zentrum der Hauptstadt verbracht hatten. Nach Polizeiangaben gab es 18 Festnahmen, zwei Beamte wurden leicht verletzt. Den Festgenommenen wurde Widerstand gegen die Staatsgewalt zur Last gelegt.

Die Sicherheitskräfte wollten mit der Aktion verhindern, dass die Demonstranten auf dem Platz wie vor einem Jahr eine Zeltstadt errichteten. Auch in Valencia, Cádiz und Palma de Mallorca löste die Polizei nächtliche Kundgebungen auf. In Barcelona dagegen schritt die Polizei nicht ein, als Demonstranten mehrere Zelte auf der Plaça de Catalunya aufbauten.

Mitglieder der Bewegung hatten in 80 spanischen Städten zu Kundgebungen aufgerufen. Das Madrider Innenministerium bezifferte die Zahl der Demonstranten in Madrid auf 30.000, in Barcelona auf 22.000 und in Valencia auf 8000. Die Veranstalter nannten ein Vielfaches dieser Zahlen. In Barcelona sprach die Regionalpolizei von 45.000 Demonstranten, die Veranstalter nannten eine Zahl von 200.000.

Auch in anderen Teilen Europas gab es Proteste und Solidaritätskundgebungen. In London nahm die Polizei nach Ausschreitungen bei einem Protestmarsch der kapitalismuskritischen „Occupy“-Bewegung elf Demonstranten fest. Insgesamt demonstrierten am Samstag rund 300 Menschen im Londoner Finanzdistrikt und vor der Börse und versuchten unter anderem, Zelte vor der Bank of England aufzuschlagen, wie die Polizei mitteilte. Mit dabei waren auch Mitglieder der spanischen Bewegung der „Empörten“. 

jhf/dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.